Reiseberichte

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Standortmeldungen

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Neustadt

Freitag, 2. August 2019 – von Großenbrode nach Neustadt, 25 sm

9.50 Uhr. Ich setze das Großsegel an der Ankerstelle und fahre mich Maschine zur Einfahrt. Hier passt der Wind, das Vorsegel gesetzt, Maschine aus und Fenris zieht mit über 5 Knoten die lange Einfahrt hinaus.

11 Uhr. Der Wind kommt nun plötzlich aus Süd und schwächelt. Sprühregen. Volle Marschfahrt bis zum nächsten Kap.

12 Uhr. Es ist wieder trocken. Wind kaum noch vorhanden. Leuchtturm Dameshöved querab.

13 Uhr. Yachthafen Grömitz querab. Hier sind wieder viele Sportboote und Surfer unterwegs. Manche Yachten ankern vor den Stränden und der Steilküste.

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Surfer vor Grömitz

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Seebrücke Grömitz

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Jolle

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DLRG

14 Uhr. Ich sehe Blitz und Donner unter einer dunkelgrauen Wolkenwand, die nach Norden abzieht. Wie schon bei Großenbrode steht auch hier an der Küste bei Pelzer Haken ein Aufklärungsturm aus den Zeiten des Kalten Krieges. Die Bundesmarine stellte die Beobachtung der DDR-Streitkräfte nach der Wiedervereinigung ein und gab die Standorte 1992 auf.

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Aufklärungsturm M bei Pelzer Haken

14.45 Uhr. Ich erreiche den Rundhafen des Neustädter Seglerveins. Der Rundhafen ist sehr voll, doch in der hintersten Ecke bei der Stranddusche kann ich noch eine freie Box finden, auf dem Namensschild steht „Schaukelpierd“.

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Liegeplatz

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Neustädter Hafen

Heute kommt Brigitte zu Besuch. Ich mache das Boot sauber. Viele Rauschschwalben sitzen auf den Leinen und zwitschern munter herum. Es ist wieder sonnig und die Stimmung im Hafen ist gut. Gegen 15.30 Uhr trifft Brigitte mit dem Auto ein. Später fahren wir einkaufen und könne die Dieselkanister vom Boot wieder vollmachen.

Am Abend machen wir einen Spaziergang an der Küste Richtung Pelzer Haken, aber nur bis zur Gaststätte Am Kiebitzberg, wo wir etwas essen.

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Rundhafen des Neustädter Seglervereins

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Sonnenuntergang am Strand bei Neustadt

Samstag

In Neustadt findet wieder das europäisches Volklorefestival statt, alle dreie Jahr wird es hier ausgetragen. Vor drei Jahren haben wir es auch schon bemerkt. Die kleine Stadt ist voll, die schmale Brücke am Ende des Hafens ist ein Nadelöhr vor dem sich der Verkehr staut.

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Neustädter Gewerbehafen

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Fischerskulptur

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Folklorefestival

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Bühne

Sonntag

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Krabbenfischer

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Spaziergang nach Pelzer Haken

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Großenbrode

Donnerstag, 1. August 2019 – von Kiel-Holtenau nach Großenbrode, 43 sm

Wetter: kaum Wind, sonnig

8.45 Uhr. Ich lege ab und verlasse den Anleger bei der alten Schleuse. Viele Sportboote waren schon früh aufgebrochen, doch müssen sie im Wartebereich ausharren. Dort befinden sich 17 Sportboote. Der Scheusenwärter hat einiges zu organisieren. Ein chinesischer Zerstörer wird von zwei Schleppern, einer vorn und einer achtern, Richtung Schleuse geschleppt. Noch herrscht Uneinigkeit, ob beide Schlepper in die Kanal schleusen
oder ob einer ausreicht. Dem Schleusenwärter wird es nach einigem Hin und Her über Funk zu bunt und legt fest, dass beide Schlepper in den Kanal gehen. Zwei Sportboote lässt der dann noch mit in die Kammer.

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Ablegen am nächsten Morgen, viele sind schon aufgebrochen

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und warten vor der Schleuse

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Blick zurück auf die Anlegestelle

Die Kieler Nachrichten berichten zeitgleich: Der chinesischer Zerstörer „Xi‘an“ befindet sich auf dem Rückweg von einer Flottenparade in Russland. Es gehört zu einem in Ostafrika stationierten Flottenverband der Marine Chinas. Für die 280 chinesischen Soldaten ist die Kanalpassage des 155 Meter langen Zerstörers deshalb ein echter Höhepunkt. Viele nutzten die Fahrt durch Schleswig-Holstein als Gelegenheit für Fotos und Freizeit an Oberdeck. Die Kanalpassagen der Marine Chinas sind äußerst selten. Seit 2013 sind chinesische Kriegsschiffe aber regelmäßig in der Ostsee und nutzen dabei meist den Weg übers Skagerrak. Die Passage der deutschen Gewässer wurde auch von der Bundeswehr beobachtet. Bereits bei Fehmarn nahm die neue deutsche Fregatte „Baden-Württemberg“ den chinesischen Zerstörer in Empfang und begleitete ihn bis Kiel. Vor dem Kanal musste die Fregatte aber abdrehen.

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Chinesischer Zerstörer „Xi‘an“ beim Einschleusen

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Die deutsche Fregatte Mecklenburg-Vorpommern

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demonstriert an einem Anleger in der Förde Einsatzbereitschaft

10 Uhr. Die Kieler Förde liegt achteraus. Nun wird es spannend, ob das Schießgebiet auf dem Weg nach Fehmarn umfahren werden muß oder nicht. Ich kann online eine Information dazu abrufen: Schießgebiet hat Sommerpause vom 27.7. bis 23.8.2019. Sehr gut, das bedeutet kein Umfahren an den gelben Tonnen sondern direkten Kurs.

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abgesteckter Kurs

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Schießgebiete der Bundesmarine zwischen Kiel und Fehmarn

12 Uhr. Etwas Wind kommt auf: Nordost 1. Ich setze das Großsegel und hoffe auf mehr Wind. Weiterhin Maschinenfahrt.

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Langweilige Maschinenfahrt

15 Uhr. Nordost 2-3, Motor aus und Vorsegel gesetzt. Fenris legt sich auf die Seite und zieht nun mit 4,6 Knoten geräuschlos seine Bahn.

16.30 Uhr. Noch vor der Fehmarnsundbrücke gibt es genug Wind, doch als ich darunter bin dreht der Wind auf Ost, also meine Richtung. Nun wieder Maschinenfahrt mit Großsegel. Nach Passage des Fahrwassers durch den Sund kann Fenris wieder unter Segel auf Südkurs gehen.

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Brücke über den Fehmarnsund

18 Uhr. Ich habe keine Lust mehr und nehme die Gelegenheit wahr, Großenbrode anzusteuern. Ich war noch nie dort und möchte im Binnensee ankern.
Die lange Einfahrt zum See mit dem Betondamm deutet schon auf eine ehemalige militärischen Anlage hin. Der Binnensee ist mit 2-3 Metern nicht tief und erstaunlich groß. Auf einer mit gelben abgesperrten Fläche kann Wasserki betrieben werden. Dahinter ankern schon zwei Segelyachten. Hier wirft auch Fenris den Anker.

Hin und wieder kommen offene Motorboote und rasen eine Runde auf der Wasserskifläche. Ansonsten ist es ruhig. Drei Yachthäfen gibt es hier, bei der Einfahrt die Klemens Marina und in nordöstlicher Richtung die Marina Großenbroden und der Großerbroder Yachtclub. Das ganze Gelände ist in den Jahren 1937-1942 entstanden und wurde bis 1945 als Seefliegerhost der Kriegsmarine genutzt. Nach dem Krieg war hier ein Gefangenenlager und später die Bundeswehr bis schließlich der Standort aufgegeben wurde.

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Marina bei der Klemens Werft

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Schöner Ankerplatz

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Kiel-Holtenau

Mittwoch, 31. Juli – von Gieselau Schleuse nach Kiel-Holtenau, 33 sm

Obwohl es in der Nacht starke Regenfälle gab, ist es nun ein schöner ruhiger sonniger Morgen hier an der Schleuse. Der Schleusenwärter hat mit seiner Arbeit begonnen und bereits eine Schleusung durchgeführt. Neben seinem Dienstgebäude ist noch ein Anbau mit Toiletten und selbst Abfall kann man hier entsorgen. Viele Boote haben schon ablegt, wobei nur wenige in den Gieselau Kanal einschleusen.

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Morgens an der Gieselau Schleuse

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und noch einmal

8.40 Uhr. Ich verlasse den Schleusenbereich und fahre wieder in den Nordostseekanal ein. Eine dichte Bwölkung lässt inzwischen die Sonnenstrahlen nicht mehr durch. Ich sehe keine Frachter, nur einzelne entgegenkommende Sportboote.

9.30 Uhr. Leichter Regen setzt ein, der nach 30 Minuten auch schon wieder vorüber ist. Bald kommt die Sonne wieder stechend durch die Wolken. Zeit für meinen 7 Euro Strohhut vom Supermarkt, erstaunlich brauchbar finde ich.

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Zeitweise einsame Fahrt auf dem Kanal

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Skipper mit Strohhut

10.30 Uhr. Gruppen von Schwänen habe es sich auf dem Kanal gemütlich gemacht. Einen Fuß oben aus dem Gefieder streckend und den Kopf darauf liegend werden sie nur spät auf das herannahende Segelboot aufmerksam, machen scheinbar wiederwillig Platz, indem sie den kürzesten Weg nach rechts und links wählen und damit eine Schneise zur Durchfahrt bilden. Ein Schlepper kommt mit schnellerer Fahrt von achtern heran und weicht den Schwänen großzügig aus, indem er einen Bogen weit über die Kanalmitte hinaus fährt. Der Schlepper Schwartenbek der deutschen Firma KSK Küstendienst läuft unter niederländischer Flagge mit Heimathafen Harlingen. Bald ist Breiholz erreicht. Ich stelle einen neuen Funkkanal ein, Kanal 3. Kurze Zeit später gibt es auch schon die nächste Lagemeldung für den letzten Abschnitt bis Kiel. Es werden Schiffsbewegungen und insbesondere Hinweise für die Verkehrsplanung durchgegeben. Die großen Schiffe sind in Verkehrsgruppen eingeteilt und je nach Lage müssen sie eine Begegnung in einer Ausweichstelle abwarten. Doch an diesem Morgen steht noch alles auf freie Fahrt.

11 Uhr. Rendsburg ist erreicht.

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Ehemaliger holländischer Raddampfer (1905) nun in Kiel beheimatet

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Eisenbahnbrücke bei Rendsburg

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Ausweichstelle Große Nordsee

14.30 Uhr. Kiel-Holtenau ist erreicht. Nach einer Kurve kommt die Schleuse in Sicht. Ich sehe, wie eine Segelyacht mit blauem Rumpf den Wartesteg verlässt und zur Schleuse fährt. Der Signalmast zeigt das Licht zur Einfahrt (weißes unterbrochenes Licht). Ob der Schleusenwärter auf mich auch noch wartet? Noch ist Fenris weit entfernt. Es wird mindestens 10 Minuten dauern bis wir die Schleuse erreichen. Doch wir haben Glück, es wird gewartet. Ein Blick zurück zeigt, dass noch zwei kleine Motorboote in Anmarsch sind. Der Schleusenwärter ermanht sie alles zu geben, man hätte ja nicht beliebig viel Zeit. Auch sie dürfen noch mit. Als das erste Motorboot hinter mir festmachen, gehe ich hin zum helfen. Der Mann ist aus Kiel und gesprächig. Ich erfahre das er sein kleines Motorboot vor 40 Jahren neu gekauft hat.

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In der Schleuse Kiel-Holtenau

Die kleinen Motorboote preschen als erste aus der Schleusenkammer, der andere Segler ist auch allein, wirkt aber noch unerfahren und braucht noch Zeit, ich ziehe hinter den Motorbooten raus und folge meinem Gesprächsparter in die Kieler Förde. Dachte zunächst, ich fahre einfach hinterher und schaue mir an wo sie anlegen. Doch dann fällt mir ein, ich muß ja noch bezahlen. Also hart backbord und Kurs auf die Anlegestelle bei Kiel-Holtenau.

Der recht lange Anleger ist schon voll, nur hinter den Resten eine alten Anlegers davor kann man noch zwei freie Plätze finden. Eine Hamburger Yacht macht es vor und fährt rückwärts in den Gang und legt an. Ich fahre mit Fenris genauso hinterher und bekomme Hilfe beim Festmachen. Mein Fenderbrett ist hier notwendig, da der Anleger scheinbar nur für größere Schiffe gedacht ist.

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Anlegestelle bei Kiel-Holtenau (Förde)

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Wie klar das Wasser hier ist, freie Sicht auf den Grund

Hier gibt es nun den neuen Automat für die Zahlung der Kanalpassage. Gesamtstrecke oder Teilstrecke fragt der Automat als erstes ab, Bootslänge als nächstes und dann muß ich 12 Euro bezahlen. Der Kartenleser will keine Kreditkarten und verweigert dennoch meine EC-Karte. Barzahlung funktioniert aber. Mich wundert es, dass keine Bootsdaten, wie Name und Heimathafen abgefragt werden.

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Bezahlautomat bei Kiel-Holtenau (Förde)

Ich mache eine Spaziergang die Förde entlang zur Seebadeanstalt. Zunächst geht es an alten Kaimauern vorbei an den alt bekannte Schiffe liegen. Die Artemis kenne ich aus dem City-Sporthafen in Hamburg wo ich letztes Jahr für knapp 2 Monate gelegen hatte. Die Bremen aus Bremerhaven ist mir durch diverse Besuche der Hafenstadt bekannt.

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Zwei mir bekannte Schiffe sind hier

Abends mache ich mich auf den Weg zum Supermarkt. Mit dem Bootsnachbar gibt es noch einen Plausch über die morbide Situation hier an der Anlegestelle. Überall wo man hinschaut sind Beschädigungen, der Anleger für die größeren Schiffe wurde zum Teil schon abgerissen, nur die Pfähle und Balken für die Beplankung ragt noch teilweise aus dem Wasser. Kaum habe ich mich auf den Weg zum Supermarkt gemacht, das kommt eine graues Bank aus dunklen Wolken heran. Es gibt bald Donner und Blitze, viel Regen und zum Ende der Vorstellung auch noch Hagelkörner. Ich warte das Ganze unter einem Balkonvorsprung ab.

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Regenband zieht durch

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Gieselau Schleuse

Dienstag, 30. Juli – von Cuxhaven zur Gieselau Schleuse, 39 sm

8.40 Uhr. Ich bereite Fenris zum Ablegen vor. An der Bootstankstelle gegenüber meines Fingerstegs hat ein Holländer angelegt und tankt schon seit einiger Zeit. Ein Landsmann kommt und will auch tanken, kreuzt hin und her, nach einigen Zurufen, geht er längsseits. Ich warte mit meinem Manöver erstmal ab, bis sich die Lage beruhigt hat. Auf der Elbe ist es dann ruhig, kaum Verkehr. Anfangs ist es etwas bewölkt und diesig, doch bald wir es klar und sonnig.

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Seglervereinigung Cuxhaven

9.30 Uhr. Bevor Bei Wehldorf gehe ich rüber zum Nordufer der Elbe. Vor einer Reede werden Baggerarbeiten ausgeführt. Ein Schnellboot eines britischen Crewservices rast vorbei.

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Baggerarbeiten

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Crewservice Sima Charters

10.45 Uhr. Am Nordufer der Elbe noch vor der Zufahrt zur Schleuse zum Nordostseekanal bei Brunsbüttel treffe ich auf wartende Berufsschiffe. Lotsen werden aufgenommen oder abgeholt. Die Namen der Schiffe sind unspektakulär, zum Beispiel Chantaco, Vohburg, Lehmann II. Im Funk auf Kiel-Kanal 1 sind die Schleusenwärter routiniert am koordinieren, welche Schiffe in welcher Reihenfolge schleusen.

11.15 Uhr. Ich erreiche den Wartebereich elbaufwärts vor der alten Schleuse. Über Funk hatte ich zuvor schon mitbekommen, dass der Schleusenwärter ein Segelboot mehrfach aufforderte den Zufahrtsbereich zur Schleuse freizuhalten. Als sich ein Motorboot zum Schleusen anmelden wollte, wurde es aufgefordert zum Wartebereich zu fahren und den Segler „mitzunehmen“. Bald kommen mehrere Sportboote dazu. Die alte Schleuse hat inzwischen geöffnet und viele Sportboote kommen heraus. Der Skipper eines auslaufenden blauen Segelboots ruft mir freudig zu „Fenris“. Ich verstehe zunächst nicht was er meint, doch dann ruft er, dass sein Boot auch diesen Namen trägt. Muss wohl selten vorkommen. Der Pole von gestern ist auch hier und dreht ungeduldig Kreise, hatte heute morgen in Cuxhaven ganz früh abgelegt. Über Funk vereinbart der Schleusenwärter mit dem Schiff „Anke“ die Einfahrt. „Anke“ antwortet, sich den Weg durch die undisziplierten Sportboote frei zumachen. Bald erkenne ich „Anke“, ein langes altes Binnenschiff, mehrfach mächtig ins Horn blasend, rauscht es elbabwärts heran. Die wartenden und ablaufenden Sportboote geben schnell einen Korridor frei. Bald ist „Anke“ in der Schleuseneinfahrt verschwunden und wir bekommen unser unterbrochenes weißes Licht. Schon stürmen alle Sportboote los, um vor der Schleuse wieder zu warten, bis „Anke“ mit dem Festmachen fertig ist. Dann kommt wieder unser Signal, das unterbrochene weißes Licht ganz oben auf dem Signalmast. Viele Boote fahren nun nach und nach ein bis sich der Steg füllt. Ich ziehe weiter durch und gehe am ersten Sportboot längsseits, das vom Schleusenwärter per Lautsprecher ermahnt wurde wegen Misachtung der Schleusensignale.

11.45 Uhr. Ein Besatzungsmitglied der „Anke“ ruft uns zu, das die Sportboote zuerst raussollen. Schnell sind die Leinen losgeworfen und Fenris geht als erstes Boot raus. Im Kanal ist viel Aktivität aufgrund des Baus der fünften Schleusenkammer. Eine Fähre für Baustellenfahrzeuge legt gerade ab und zieht mit so viel Schwell zum Südufer das alle Segelboote heftig ins Trudeln geraten. Die Boote teilen sich auf, nur 5 fahren weiter, die andere fahren zur Anlegestelle bei Brunsbüttel hinter der Schleuse.

12.45 Uhr. Die „Vohburg“ hatte inzwischen auch ihre Schleusung, sie kommt nun von achtern heran und zieht dicht vorbei. Dabei bringt ihre Bugwelle Fenris vom Kurs ab, der Pinnenpilot kommt ins Straucheln und steuert auf die Dalben des gerade durchfahrenen Weichenbereichs zu. Fortan steuere ich doch besser von Hand, wenn sich große Schiffe nähern. Mich überrascht, dass die anderen Sportboote so weit zurückbleiben. An der Geschwindigkeitsbegrenzung von 8 Knoten kann es nicht liegen. Fenris fährt 5,5 Knoten.

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Die Vohburg kommt heran

13.45 Uhr. An einer Weichenzufahrt zeigt der Signalmast ein einzelnes unterbrochenes rotes Licht und die vorausfahrenden Berufsschiffe warten in der Ausweichstelle. Das Signal deute ich zunächst als rotes Funkellicht (Einfahrt in Weiche verboten) und halte vor dem Signalmast. Auch die anderen Yachten sind bald herangekommen und fragen, was los ist. So wartet nun eine Gruppe von Yachten, obwohl sie weiterfahren dürfte und sogar an den Berufsschiffen vorbei die Weiche passieren könnte. Das fällt einem Lotsen auf einem ausfahrenden Berufsschiff auch auf, der uns zur Weiterfahrt auffordert. Neben der Ausweichstelle bei Hochdonn befindet sich ein Liegeplatz für Sportboote. Eine Sammlung von Dalben stehen inmitten der kleinen Bucht mit Strand und vielen badenden Kindern. Hier kann man für eine Nacht festmachen, ohne Landverbindung. Ich mache Fenris für eine halbe Stunde fest, um mir etwas zu essen zu machen. Ein Boot neben mir bleibt über Nacht, das Seglerpaar will sich den Trubel auf dem Metal-Festival im wenige Kilometer entfernten Wacken ansehen.

16 Uhr. Die Fährstelle bei Fischerhütte ist erreicht. Für Abwechslung der doch recht monotonen Kanalfahrt sorgen die kleinen Ortschaften, die bei den Fährstellen sind. Manchmal sind Parkplätze mit Wohnmobilen in der Nähe. Bisher haben nur wenige große Schiffe überholt. Mal ist ein littauisches Küstenmotorschiff aus Klaipeda entgegengekommen. Sofort kommen die Erinnerungen an meinen Besuchs des Hafens vor 4 Jahren und dem Ausflug zur kurischen Nehrung nach Nida.

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Ruhige Kanalfahrt

16.30 Uhr. Oldenbüttel ist erreicht bei Kilometer 40 des Kanals. Hier zweigt der Gieselaukanal ab, der die Untereider mit dem Nordostseekanal verbindet. Nicht weit von der Abweigungung hinter einer Kurve mit dichtem Gebüsch befindet sich eine Schleuse mit langen Wartestegen davor, hier kann man gut für eine Nacht liegen. Ich lege Fenris an das Ende des Stegs am Nordufer hinter ein verlassenes kleines Segelboot, das schon mächtig Grünspan angesetzt hat. Die Bäume verschatten hier die doch noch recht starke Sonne, was sehr wohltuend ist nach dem sonnenreichen Tag.

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Einfahrt zum Gieselau-Kanal

Zunächst führt die Schleuse noch zwei Schleusungen durch, dazu wird eine Klappbrücke direkt vor der Kammer angehoben. Nach und nach füllen sich die beiden Stege, viele Holländer sind dabei. Es ist absolut ruhig hier, entfernt hört man das Gebrüll einzelner Rinder. Ein Angler bemüht sich in der Nähe bis Sonnenuntergang.

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Fest an Liegestelle vor der Schleuse

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Blick auf Schleuse

Eigentlich wollte ich heute nach Rendsburg, doch ich sah einen Segler voraus in den Kanal abbiegen. Das schau ich mir an, war mein spontaner Entschluß. Diese Liegestelle ist ideal für einen Zwischenstopp über Nacht. Morgen geht es dann ausgeruht weiter für die letzte Etappe nach Kiel.

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Geplante Route

Hafengeld: 0 Euro mit Toilette

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Cuxhaven

Montag, 29. Juli – von Hooksiel nach Cuxhaven, 45 sm

Fenris macht wieder eine kleine Seereise, diesmal in die Ostsee. Eigentlich wollte ich nach England, sogar rund herum, doch es kommt anders und am Ende bleiben nur noch drei Wochen Zeit bis ich wieder arbeiten muss. Die Reise geht zu den Urspungsorten meines Seglerlebens, die Lübecker Bucht. Brigitte freut sich auch schon darauf, sie möchte an den kommenden Wochenenden zu Besuch an Bord kommen.

13.40 Uhr. Ablegen im Wassersportvereinn Hooksiel für die Schleuse um 14 Uhr, die auch schon die Tore geöffnet hat, nachdem ich dass Hooksmeer durchquert habe. Eine halbe Stunde später bin ich in der Jade. Zwei Segler sind vor mir, die auch die Schleuse genommen hatten. Es weht ein Nordwest 4-5, also Wind gegen Strom. Die Abfahrtzeit habe ich drei Stunden vor Niedrigwasser gewählt, damit ich bei Erreichen der Nordsee den Flutstrom nutzen kann, um in die Elbe zu segeln. Es ist zunächst eine Motorfahrt mit Großsegel, das mehr Stützsegel in der unruhigen See dient.

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Ablegen

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Ausschleusen

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Ausfahren

15 Uhr. Die Mittelrinne ist erreicht. Ein Segler ist schon eingefahren, der andere steuert seinen Kurs weiter auf dem Jadefahrwasser. Das erste Tonnenpaar der Mittelrinne liegt nahe dem Leuchtturm Mellumplate. Ich erinnere mich an meiner letzen Begegnung mit ihm. Es war letztes Jahr auf meiner Rückreise aus Hamburg. Ich wollte abends noch die Mittelrinne befahren doch die Dunkelheit kam schneller als erwartet. Die unbeleuchteten Tonnen konnte ich anfangs mit meinem starken Handstrahler noch ausmachen, doch die Tonnen in der Umgebend des Leuchtturms habe ich dann nicht mehr gefunden. Als ich dann schon halb auf einer Sandbank war, mit nur wenig Wasser unter dem Kiel, habe ich die Suche nach den Tonnen abgebrochen und bin den weiten Weg zurück und außen herum in das Jadefahrwasser gefahren.

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Mittelrinne, Leuchtturm Mellumplate

17 Uhr. Der Wind hat auf Nord gedreht, Fenris hat das Weserfahrwasser gequert, nachdem ein paar große Containerschiffe von See kommenden durchgelaufen sind. Endlich kann ich Segel setzen und die Maschine ausmachen. Mein Kurs führt hart am Wind direkt auf das Scharrhörnriff zu. Ich bringe eine neu angeschaffte Großbaumtalje zwischen Baumnock und Achterstagpütting an. Damit kann ich zusätzlich zur eigentlichen Großbaumschot, die auf dem Kajütdach angeschlagen ist mehr Druck auf den Baum ausüben. Das Großsegel nimmt nun mehr Form an und Fenris läuft etwas höher am Wind.

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Leuchtturm Roter Sand

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Containerschiff auf Weser

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Großbaumtalje

19.30 Uhr. Die Außenelbe ist erreicht, das Scharhörnriff durchquert und die Robbenplate umfahren. Ich bin etwas enttäuscht, da sich die Fahrt so lange hinzieht. Der Gegenwind anfangs bei der Ausfahrt der Jade hat doch viel Zeit gekostet. Bis Brundbüttel schaffe ich das heute nicht mehr. Erst um 1 Uhr würde ich da ankommen. Schleusen könnte ich in der Nacht, müsste aber sofort an den Yachtanleger im Kanal fahren, das Befahren des Kanals ist bei Dunkelheit ist für Sportboote verboten. Also ist Cuxhaven nun mein Ziel, noch drei Stunden Fahrt.

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Vorm Wind

20.30 Uhr. Ein graues Wolkenband ist voraus, das aber glücklicherweise sehr langsam nach Nordost zieht. Scharhörn ist an Steuerbord. Ich muß an den Tiefwasserhafen denken, den Hamburg hier einmal bauen wollte. In Wikipedia steht dazu: „Scharhörn wurde – wie auch die Nachbarinsel Neuwerk – 1937 durch das Groß-Hamburg-Gesetz an die preußische Provinz Hannover übertragen. Seit 1947 gehörte sie zum neugebildeten Land Niedersachsen, bis sie 1969 durch den Cuxhaven-Vertrag abermals an das Land Hamburg übertragen wurde, da die Hansestadt die Realisierung eines Tiefwasserhafens Scharhörn/Neuwerk auf den beiden Inseln beabsichtigte. Die Planungen sahen ein Gebiet mit 6000 Hektar Nutzfläche vor, die durch die Aufschüttung von ausgebaggertem Sand im Planungsgebiet sturmflutsichere Höhen erreichen sollten. Die Ansiedlung von Stahlwerken und Chemieindustrie auf neuen günstigen Flächen stand hierbei im Mittelpunkt. Die Verbindung zum Festland sollte über einen Damm zwischen Scharhörn, Neuwerk und Cuxhaven erfolgen und neben den Gütern die voraussichtlich 4000–5000 Arbeitskräfte befördern. Das Projekt wurde bis 1979 in verschiedenen Ausbaustufen mit Stahl- und Atomkraftwerk geplant, doch wegen zahlreicher Proteste, hoher Kosten und geringer Unterstützung durch die Industrie nicht realisiert, ist jedoch bis heute im Hamburger Flächennutzungsplan enthalten“

21.30 Uhr. Der Wind schwächelt, Nord 2. Ich lasse den Motor und rolle das Vorsegel ein, lasse das Großsegel stehen. Tonne für Tonne geht es weiter. Endlich kommt Cuxhaven näher. Die Kugelbake ist nun achteraus.

22.20 Uhr. Fast wäre ist an der Einfahrt zur Segelvereinigung vorbeigerauscht. Mit ordentlich Schub geht es nun quer zur starken Elbströmung in das Hafenbecken. Ich hole das Großsegel ein und bald sehe ich in der beginnenden Dunkelheit eine Gestalt am Ende eines Stegs, die Zeichen gibt. Der Mann zeigt auf einen freien Fingersteg in der Nähe und er hilft beim Festmachen. Ein Pole, wie sich herausstellt, der weder deutsch noch Englisch kann. Mehr als „dzień dobry“ (Guten Abend) fällt mir auf polnisch auch nicht ein. Er grinst, klopft mir auf die Schulter und geht weiter.

Der Weg zum Hafenmeister und den Sanitäranlagen ist sehr weit. Es gibt einen Bezahlautomat, der auch eine Servicekarte für die Waschräume ausgibt. Hafengeld 15 Euro, Dusche 1 Euro je 4 Minuten.

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Cuxhaven

Freitag, 19. Oktober – von Glückstadt nach Cuxhaven, 29 sm

Auch heute geht es kurz vor 10 Uhr los. Die Gezeiten sind gnädig mit mir, kein frühes Aufstehen und auch kein Fahren in der Dunkelheit am Abend sind notwendig. Im Außenhafen haben schon ein paar Segler ihre Boote zum Verholen in den Innenhafen und die Winterlagerhalle klargemacht. Sie warten nun auf die Öffnung der Schleuse. Der Himmel ist blau und wolkenlos. Es ist kalt und ich ziehe mir als Schutz gegen den kalten Fahrtwind das Ölzeug an.

10.45 Uhr. Fenris legt ab und zieht eine Bahn in das spiegelglatte Hafenwasser. Vor der Elbinsel Rhinplatte ist kein Schiff weit und breit zu sehen. Eine Elbfähre liegt weiter nördlich an ihrem Anleger und nimmt einen Teil der in langer Schlange auf der Straße stehenden Fahrzeuge auf. Mit schäumender Bugwelle kommt eine weitere Fähre von der Elbe durch die noch weit entfernte nördliche Einfahrt. Bald ist sie in der Nähe des Fahranlegers und läßt sich nun treiben, muß warten bis der Anleger frei wird. Kaum hat Fenris den Anleger achteraus, das legt die Fähre
ab und zieht bald an Backbord vorbei. An der Nordseite der Elbinsel begegnet sie einer weiteren Fähre, die gerade aus Wischhafen kommend die Elbe überquert hat.

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Blick zurück, Hafeneinfahrt Glückstadt

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Fähranleger

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Begegnung

11.30 Uhr. Die Elbe ist fast so glatt wie ein Spiegel. Gelegentlich kommen ein kleinere Frachter vorbei, die eine paar Wellen aussenden. Voraus ist schon seit Glückstadt das Atomkraftwerk Brokdorf erkennbar. Es ist strahlend weiß, was man als Indiz dafür nehmen darf, dass es noch in Betrieb ist. Die Laufzeit begann 1986 und soll 2021 enden. Etwas weiter elbabwärts treffe ich auf ein Baggerschiff aus Rotterdam, dass die Fahrrinne am Nordufer vertieft.

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Glatte Elbe

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Atomkraftwerk Brokdorf

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Baggerschiff

12.30 Uhr. Auf halber Strecke zwischen Brokdorf und Brunsbüttel wechsele ich die Fahrseite, da ich auf der Innenseite der langezogenen Elbkurve einen stärkeren Strom vermute und um später dem Schiffsverkehr vor den Schleusen des Nordostseekanals aus dem Weg zu gehen. Ein Segelboot vom Typ Sirius zieht bereits seine Bahn auf deren anderen Seite und Fenris folgt nun.

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Seitenwechsel

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Reede am Südufer

13 Uhr. Die Schleuse Brunsbüttel ist an Steuerbord querab. Die Baumaßnahmen der 5. Schleusenkammer auf der Schleuseninsel, zwischen alter und großer Schleuse sind deutlich zu sehen. Eigentlich sollte die neue Kammer 2021 fertig sein, doch Verzögerungen durch Kampfmittelfunde und Probleme während der Arbeiten lassen den Termin nicht halten.

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Schleuse Brunsbüttel

14 Uhr. Sowohl die Sirius als auch Fenris wechsels wieder auf die andere Fahrwasserseite. Eine sehr langgestreckte Innenkurve verspricht gute Strömung. Die Sirius bleibt auf dem roten Tonnenstrich. Fenris nimmt eine Abkürzung weiter nordwärts über die Reede bei Neufeld. Und als ich bereits vorn liege, da sehe ich viele Seehunde auf dem Strand bei Neufeld. Ich lasse die Sirius fahren und drehe ab. Bis zur 3 Meterlinie, weiter mag ich nicht wegen ablaufenden Wasser. Die Seehunden schlafen zunächst, doch die ersten entdecken das herannahende Segelboot und heben aufmerksam den Kopf.

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Seehunde

15 Uhr. Ich erreiche Cuxhaven. Die Sirius ist bereits dabei, die Seglervereinigung Cuxhaven anzusteuern. Ausflugsboote kommen entgegen mit Kurs aufs Seehundgucken. Aus Neugier mache ich einen Abstecher in den öden Amerikahafen. In einer Ecke befindet sich dort ein dritter Yachthafen. Doch die Stromkästen sind schon abgedeckt und nur noch wenige Boote sind dort. Ich fahre wieder raus und folge der Sirius erneut.

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Die Sirius geht zur Seglervereinigung Cuxhaven

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Einfahrt zum Amerikahafen

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Der Yachthafen dort

15.15 Uhr. Ich mache im Yachthafen der Seglervereinigung fest. Gegenüber liegt die Sirius 26 mit drei älteren Männern an Bord. Das Boot sieht sehr gut erhalten aus und ist bereits 41 Jahre alt, Erstbesitz wie mir der Eigner erzählt. Ebensolange segelt er auch schon mit seinen Freunden.

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Angelegt

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Glückstadt

Es gab schon seit Monaten keine Beiträge mehr in diesem Blog. Nun will ich versuchen die fehlende Berichte zu meiner Englandreise nachzuliefern. Doch zunächst beginne ich mit meiner aktuellen Fahrt von Hamburg nach Hooksiel.

Donnerstag, 18. Oktober – von Hamburg nach Glückstadt, 28 sm

Die Liegezeit in Hamburg ist um. Ich will das noch recht milde Oktoberwetter (gestern hatten wir 25 Grad) nutzen, um mein Boot nach Hooksiel zurückzufahren, es geht dort den Winter über an Land. Knapp sieben Wochen war ich nun im City Sporthafen. Die Lage ist sehr gut, praktisch mitten in der Stadt. Den Weg zur Arbeit habe ich stets genossen, denn ich konnte vom Boot aus bequem zu Fuß gehen. Der Hafen hat aber sehr viel Schwell, doch man gewöhnt sich mit der Zeit daran. Auch daran, dass man sich gelegentlich gut festhalten muß, wenn das Boot stark zu rollen beginnt. Ruckdämpfer an allen vier Festmachern sind sehr zu empfehlen.

Um 10.30 Uhr verabschiede ich mich von den beiden Hafenmeistern und lege ab. Hochwasser ist zwar erst um 11.15 Uhr, doch Hafenmeister Dieter empfahl eine halbe Stunde vor Hochwasser loszufahren, damit man die Strecke von 28 Seemeilen in den vier Stunden Ebbe besser schafft.

10.45 Uhr. Ich lege ab. Im Revierfunk auf Kanal 74 höre ich, wie der Raddampfer „Louisiana Star“ einen Schlepper auf der Elbe mitteilt, dass er vom Niederhafen in die Elbe geht. Ich befinde mich im Niederhafen und sehe den Raddampfer an Steuerbord vorraus, noch an seinem Liegeplatz. Er läßt mich vorbei und folgt dann bis zu den Landungsbrücken um dort Fahrgäste aufzunehmen. Fenris macht 4-5 Knoten Fahrt über Grund. Es ist schon ein befreiendes Gefühl das Boot nach so langer Liegezeit wieder in Fahrt zu erleben. Der Motor läuft ruhig und kräftig. An den Landungsbrücken ist ein Kommen und gehen der HVV Fähren und verschiedene Barkassen ziehen an Steuerbord vorbei auf ihrer großen Hafenrundfahrt, immer möglichst dicht am Ufer, um die Sehenswürdigkeiten zu präsentieren.

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Meine Liegeplatz der letzten sieben Wochen

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Raddampfer „Louisiana Star“

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Moderne Barkasse überholt vor den Landungsbrücken

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HVV Fähren und Hafenrundfahrtschiffe an den Landungsbrücken

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Superyacht Eclipse im Dock bei Blohm & Voss gegenüber

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Altonaer Fischmarkt

Nun wird es ruhiger, Fenris fährt dichter am Ufer entlang. Auf der anderen Seiten ziehen die einzelnen Hamburger Häfen vorbei: Steinwerderhafen, Kohlenschiffhafen, die Mündung der Süderelbe mit weiteren Häfen und der Parkhafen mit den vielen Containerbrücken. Im Revierfunk ist von den vielen Hamburger Häfen immer wieder die Rede, wenn die Schiffe in die Elbe einfahren wollen. Doch nun kommt eine Mitteilung der Wasserschutzpolizei. Das Fahrwasser vom Parkhafen an elbabwärts ist bis zum einlaufenden Containerschiff „Mirjam“ (sehr groß) gesperrt. Kleine Fahrzeuge können nördlich des Tonnenstrichs passieren. Für mich heißt das, auf Kurs bleiben, denn Fenris befindet sich bereits außerhalb des Fahrwassers zwischen den roten Tonnen und dem Elbufer. Der große Containerfrachter wird von zwei Schleppern begleitet, die ihn ihn bald auf der Elbe drehen, um ihn rückwärts in den Parkhafen zu bugsieren.

Die Sicht nimmt ab und im Dunst voraus löst sich bald ein weiteres großes Containerschiff. Ebenfalls ein großer Frachter. Er heißt „Bougainville“ und hat den Heimathafen Marseille, die Partnerstadt von Hamburg. Ein Schlepper rast bereits auf ihn zu, um ihn an die Leine zu nehmen.

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Containerschiff „Mirjam“

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und nochmal

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und die „Bougainville“

11.45 Uhr. Es beginnt ein leichter Nieselregen, ein Regenband durchzieht die Region. Ein Blick zurück, zeigt nur noch eine graue Wand, während es voraus heller aussieht. An Steuerbord zieht der Elbstrand vorbei, es sind nur wenige Leute zu sehen. Gegenüber ist Finkenwerder mit der alles dominierenden Flugzeugfabrik von Airbus. Danach weitet sich die Elbe zu einer enormen Wasserfläche mit der Elbinsel Neßsand im Hintergrund. Weit weg kann ich an Backbord eine Klappbrücke und Kräne erkennen. In der Nähe der Hamburger Landesgrenze geht die Bebauung schlagartig zurück. An Steuerbord nimmt jedoch nochmal die Dichte an Villen am Steilufer zu. Doch bald kündigt ein Wrack am Ufer die Nähe zur nördlichen Landesgrenze an. Damit nimmt auch hier die Bebauung rasch ab. Es kommt noch der Anleger Wittenbergen. Danach sind die Steilufer auf der schleswig-holsteinischen Seite stark bewaldet.

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Airbus auf Finkenwerder

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Voraus Elbinsel Neßsand

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Blankenese

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Ein Wrack im Wasser

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Anleger Wittenbergen

12.30 Uhr. Ich erreiche Wedel. Zunächst den Fähranleger und kurze Zeit später den Hamburger Yachthafen, vor den Toren der Stadt. Die Elbe macht bald einen Schlenker nach Norden und hier trifft die Windsee auf den Tidenstrom, eine kabbelige Welle baut sich auf. Nördlich von Wedel ist die Elbe sehr breit und viele Segelboote vom nahegelegenen Yachthafen kreuzen hier gerne auf und ab. Doch heute sind nur zwei Boote zu sehen.

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Begegnung bei Wedel

13.30 Uhr. Bei Stadersand wird es ungemütlich. Gischt kommt an beiden Seiten des Bugs hoch. Das Boot stampft durch die Wellen, wird von 7 Knoten Fahrt zeitweise auf 4 Knoten abgebremst. Voraus scheint das Wetter freundlicher zu werden, achteraus ist noch Gewitterstimmung. In der Nähe ist das Kernkraftwerk Stade am südlichen Ufer der Elbe zu sehen, das sich im Rückbau befindet. Es war von 1972 bis 2003 in Betrieb.

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Voraus etwas freundlicher und viel Welle

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Das AKW Stade

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Blick achteraus

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und nochmal

14 Uhr. Es geht an der Elbinsel Pagensand vorbei. Die Welle ist immer noch etwas ruppig.

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Elbinsel Pagensand

15.15 Uhr. Ich erreiche die Elbinsel Rhinplate mit einem markanten Funkturm davor. Hier geht es nach Steuerbord ab in ein Fahrwasser nach Glückstadt. Bald erscheint die Hafeneinfahrt. In dem großen Vorhafen zum Schleusentor sieht es schon ziemlich leer aus. Langsam lasse ich das Boot vom Wind an einen Seitenausleger (hier Schlengel genannt) treiben und mache fest.

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Funkturm vor der Elbinsel Rhinplate

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Hafeneinfahrt Glückstadt

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Vorhafen

Beim Gang zum Hafenmeister umrunde ich zu Fuß den Innenhafen.

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Innenhafen

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Blick auf Nordseite

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Am Ende des Hafenbeckens

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Auf der Nordseite

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Fluttor

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Blick auf Außenhafen

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Angelegt

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Dartmouth

Donnerstag, 9. August – von den Plymouth nach Dartmouth, 39 sm

Auch heute laufe ich aus, ohne mein Ziel zu kennen. Es soll möglichst weit nach Osten gehen. Das Wetter ist gut, wenn auch windig, Westwind 4-5 mit Böen um 6. Da Wind und Wellen achterlich kommen werden, sollte das kein Problem werden.

11.45 Uhr. Am Ankerplatz ist es noch ruhig und ich hole problemlos das Eisen hoch. Die alte Yacht aus Falmouth muß gestern noch unter die Küste am Festland verlegt haben. Weit entfernt ist sie noch zu sehen. Fenris ist inzwischen das letzte Boot vor Drake’s Island.

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Noch ein Blick auf Plymouth

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und auf den Anleger von Drake’s Island

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Segeljugend übt wieder

Am Ankerplatz habe ich bereits das Großsegel gesetzt und nehme Kurs auf die Ostseite der Bucht. Das Vorsegel kommt nun dazu und das Boot nimmt ordentlich Fahrt auf, das Bugwasser rauscht. Doch der Spaß dauert nicht lang, ich muss bald kreuzen und nehme dann die Maschine dazu , um ein Hindernis zu umfahren. Dann geht es durch die Ostdurchfahrt und zu den Mewe Stones, von denen der größere grün und der kleinere weiß ist. Kormorane haben durch ihre Besiedelung und ihrem Kot alles Leben auf ihm ausgelöscht.

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Festung hinter Wellenbrecher

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Ostausfahrt von Plymouth

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Mewe Stones

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kleiner Mewe Stone wird von Kormoranen bewohnt

13 Uhr. Der Wind ist da und kommt genau achterlich. Der Motor kann aus und ich nehme das Vorsegel auf eine und das Großssegel auf die andere Seite.

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Küstenabschnitt zwischen Plymouth und Dartmouth

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Selfie eines Einhandseglers

15 Uhr. Der Wind hat auf Stärke 5 zugelegt mit Böen um 6. Fenris jagt zeitweise mit 10 Knoten über den Grund. Eine halbe Stunde später kommt ein Funkspruch eines Fischer, der einen Maschinenausfall hat und die Seenotleitung um Schlepphilfe bitte. Der Mann von der Rettungszentrale fragt erstmal nach den Personen an Bord und ob Lebensgefahr besteht. Der Fischer verneint. Es dauert etwas, dann bittet die Seenotleitung alle Boote in der Nähe, ob sie helfen können.

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Fenris lauf

16 Uhr. Achteraus sind viele Segelboote einer Regatta aufgetaucht. Nach und nach kommen sie näher und ich sehe, dass sie mit voller Besegelung fahren und damit wesentlich besser klarkommen als ich. Auf Fenris fällt häufiger das Vorsegel ein, wenn der Kurs genau vor dem Wind verläuft und die Welle das Boot zum Rollen bringen. Daher lege ich den Kurs so, dass der Wind schräg von achtern kommt. Die Regattagruppe zieht mühelos vorbei, mindestens 20 Boote zähle ich. Selbst kleine Boote scheinen auf den Wellen zu surfen. Sie haben mit Ausbäumern die Vorsegel stabilisiert. Doch auch Fenris ist verhältnisweise schnell. Beim Kap zwischen Bolt Head und Start Point sind es 9,2 Knoten über Grund. Doch die Böen dauern länger, die Welle baut sich immer mehr auf und ich entscheide mich zum Abdrehen unter Landschutz und steuere Darmouth an. Eine Nachtfahrt nach Weymouth, am Portland Bill mit Races und Overvalls vorbei, ist zu riskant.

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Regattaboote kommen

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selbst kleine Boote ziehen vorbei

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Auch die Scilly Race Boote von Ocean People ziehen vorbei

17 Uhr. Unter Landschutz hält sich Fenris mit 6 Knoten dicht unter der Küste, doch auch hier wehen noch ordentliche Böen. Vorbei geht es an kurzen verlassenen Stränden vor der felsigen Küste und kleinen kaum ausgeprägten Buchten mit Booten am Strand. Die Anfahrt von Dartmouth ist lebhaft. Aus allen Richtungen kommen Segelyachten und ein Traditionsschiff. Ein großer rotweiß lackierter Hubschrauber der Küstenwache donnert in niedriger Höhe über die Ankommer hinweg, dreht, fliegt wieder den Fluß Dart hinauf, um kurze Zeit später wieder an Anlauf zu starten.

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Kap endlich erreicht

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auch unter Landschutz ist es noch lebhaft

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Coastguard Hubschrauber

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Traditionsschiff

18 Uhr. Ich kenne mich aus und weiß genau wo ich hin will. Zielstrebig steuere ich den Pontoon vom Dartmouth Yacht Club an und steuere auf eine englische Yacht zu. Langsam gewinnt Fenris die Aufmerksamkeit der Frau des Skippers, die im Cockpit sitzend schon sichtbar nervös wird. Die Fahrt ist schon fast aus dem Boot als ich mit der Hand signalisiere, dass ich bei ihnen festmachen will. Die Frau meint, sie wisse nicht, was zu tun sei. Kein Problem, ich komme klar, ist meine Antwort. Doch dann kommt der Mann auch heraus und wir kriegen zusammen schnell das Boot fest. Der Mann ist ausgesprochen nett und humorvoll, es war eine gute Wahl.

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Fest im Päckchen

Am Abend stehen viele Angler an der Kaje. Sie haben Angeln mit fünf Fliegenködern und eine einer keinen Bleikugel am Ende. Weit werfen sie die Köder ins das Wasser und ziehen ruckweise an der Angelschnur, um die gefräßigen Fische anzulocken. Es muß ein Schwarm vorbeigekommen sein, der in ein wahren Freßrausch verfallen ist. Innerhalb von Minuten ziehen alle Angler mehrere Mal ihre Köder mit jeweils bis zu fünf Fischen hoch. Dicht an der Lower Ferry hat der dort stehende Angler am meisten Glück. Ich beochte, wie er viermal fünf Fische holt. Bald geht er zufrieden mit einer vollen Tragetasche heim. Ein Seehund trifft auch ein und hält seinen Kopf aus dem Wasser. Die Angler ignorieren ihn, doch die Touristen oben sind begeistert und fotografieren. Einer der Bootseigner am Steg, selbst Angler, hat ein Herz und spendiert dem Seehund seine Makrelen, die er in einer roten Box aufbewahrt hat. Besser sind die Darbietungen von Seehundfütterungen in den Zoos auch nicht.

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Anglerglück in Dartmouth

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Flußhafen von Dartmouth

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Plymouth

Freitag, 6. August – von den Sillies nach Plymouth, 100 sm

Heute breche ich auf, die Rückreise steht an. Bis zu den Scillies habe ich 906 Seemeilen auf der Logge stehen. Ein gemütliches Zurücksegeln mit jedem Abend im Hafen wird nicht möglich sein, dazu fehlt die Zeit. Ich stelle mich auf Nachtfahrten ein. Das Ziel meines ersten längeren Törns steht bei Abfahrt noch gar nicht fest, ich fahre einfach los und mache das Beste daraus.

11.30 Uhr. Anker und mit Maschine um die Inseln herum zur Ansteuerung von St. Mary’s. Vor St. Mary’s liegt ein neues Kreuzfahrtschiff, die Seacloud II ist bereits abgefahren. In der Bucht Porth Cressa werden die guten Ankerplätze bereits knapp.

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Neues Kreuzfahrtschiff

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Viel los im Porth Cressa

12.30 Uhr. Ich setze die Segel aber lasse den Motor weiter mitlaufen, um die zu 50 Prozent entladenen Batterien wieder zu füllen. Auf dieser Reise habe ich erstmals keine Probleme mit leeren Batterien. Da hat sich die Neuanschaffung von Batterien (zus. 200 Ah) und Ladegerät (B2B) wirklich gelohnt.

14.15 Uhr. Delfine begleiten plötzlich das Boot. Ich sehe ihre Rückenflosse regelmäßig aus dem Wasser ragen, während sie wild vorm Bug auf die andere Seite schwimmen, unter dem Boot durch und am Heck wieder rum. Aus der Befürchtung, sie könnten sich am Propeller verletzen, stelle ich die Maschine auf Leerlauf. Die Segel stehen bald back, Fenris kommt zum Treiben und die Delfine bleiben nah am Boot. Tummeln sich über- und untereinander am Heck. Ich kann ein paar Nachaufnahmen machen, die erstaunlich klar sind. Ich glaube nach zehn Minuten wird es ihnen zu langweilig und ich sehen die drei Rückflossen nach achtern wegschwimmen. Als ich sie nicht mehr sehen kann, lege ich wieder den Gang, der Wind füllt die Segel und Fenris ist wieder mit ordentlicher Fahrt auf altem Kurs. Ich werfe nochmal einen Blick zurück und sehe, wie die Delfine zurückkommen. Diesmal springen sie schnell rasend aus dem Wasser haben Fenris in Kürze erreicht machen noch eine Runde um das Boot und ziehen wieder davon. Man könnte meinen sie wollten mir noch einmal etwas zeigen. Nun sind sie endgültig fort. Inzwischen sind die Batterien sind voll und die Fahrt geht nun unter Segel weiter.

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Define

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und nochmal

15 Uhr. Aus Nord kommt an der Kimm ein komisches Fahrzeug auf, mit vier hoch in den Himmel ragenden Stangen. Bald kann ich auch den Rumpf sehen und ein zweites Fahrzeug davor. Sie befahren das Verkehrstrennungsgebiet Richtung Süd.

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Schleppverband

16 Uhr. Fenris hat das Verkehrstrennungsgebiet überquert. Das seltsame Gespann achteraus hat den Kurs geändert und läuft nun gleichen Kurs hinterher. Noch Stunden habe ich Gelegenheit diese Fahrzeuge zu beobachten. Als sie dann endlich vorbeiziehen, erkenne ich einen Schlepper mit erstaunlich langer Trosse, der eine Art Arbeitsplattform hinter sich herzieht.

20 Uhr. Der Wind hat von Nord auf Nordwest gedreht und auf Stärke 4 zugenommen. Der Schleppverband hat endlich überholt. Als sie dann endlich vorbeiziehen, erkenne ich einen Schlepper mit erstaunlich langer Trosse, der eine Art Arbeitsplattform hinter sich herzieht. Die Dreimastbark Seacloud II, gestern noch auf den Scillies, kreuzt den Kurs und fährt Richtung Kanalinseln.

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Schleppverband hat endlich überholt

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Wiedersehen mit Seacloud II

21 Uhr. Es wird bald dunkel (in Deutschland ist es jetzt 22 Uhr) und ich nehme als Vorbereitung für die Nacht das erste Reff in das Großsegel. Weiter draußen ist auch eine Segelyacht, die ihre Segel bereits gerefft hat.

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Sonnenuntergang

23 Uhr Uhr. Der Seegang hat auf 1,5 Meter zugenommen. Fenris hat eine Reede mit vielen ankernden Frachtern achteraus gelassen.

Samstag

0 Uhr. Ab Mitternacht beginne ich meinen Intervallschlaf. Die Kajüte ist der beste Platz zum Schlafen, da kann ich schnell aus der Koje aufspringen. Alle 20 Minuten klingelt der Wecker und ich ziehe mir Schuhe und Jacke an und gehe nach oben, um Ausschau zu halten. Lange Zeit ist alles ruhig, die üppig mit Lampen ausgestatten vor Anker liegenden Frachter bleiben immer weiter achteraus.

2 Uhr. Ein Motorengeräusch fällt mir auf, als ich wieder Ausschau halte. Doch es noch nichts zu sehen. Zwanzig Minuten später sehe ich ein Schiff von achtern näherkommen, mit starken Lampen, die nach vorne und zu den Seiten strahlen. Nun muß ich abwarten, bis das Fahrzeug vorbeigelaufen ist. Von Fenris wird man auf dem Schiff nur eine weißes Licht an der Mastspitze sehen, wenn man von achtern herankommt und ein rotes Licht, wenn man an Backbord ist. Der Schiffsführer will es genau wissen, was da in der Nacht unterwegs ist und strahlt mich mit einem Suchscheinwerfer direkt an und ich stehe schon winkend bereit als der Strahl mich erfasst, sofort geht das Licht wieder aus. Ich warte noch eine halbe Stunde und lege mich wieder in meinen Intervallschlaf.

4 Uhr. Die Sonne geht auf, ein besonders schöner Anblick nach einer Nachtfahrt.

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Sonne geht auf

6 Uhr. Die ersten Fischer kommen aus Plymouth, um im Kanal ihren Fang zu machen.

7 Uhr. Genug geschlafen, jetzt wird gefrühstückt.

9 Uhr. Kurswechsel. Eigentlich wollte ich nach Salcombe weiterfahren, doch das Wetter sieht plötzlich nach Regen aus. Trübe graue Wolken kommen aus nördlicher Richtung, begleitet von starken Böen. Nein, ich möchte nach über eine Woche vor Anker mal wieder an einem Steg anlegen und den Komfort einer Marina genießen. Da Plymouth gerade querab ist und in zwei Stunden zu erreichen ist, fällt meine Entscheidung schnell, ich lege Fenris in den Wind und hole die Segel ein. Die letzten 10 Meilen auf diesem Trip werden nun mit Maschine gefahren.

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Plymouth ist nah

11.30 Uhr. Ich funke die Schleuse zum Sutton Harbour an. Der Schleusenwärter sagt, die Marina sei ausgebucht und dann noch etwas, was ich nicht verstehe. Ich denke, er will noch versuchen noch einen Platz für mich zu bekommen. Doch ich höre keine Funkaktivität mehr. An der Bootstankstelle in der Nähe der Schleuse langweilt sich gerade der junge Tankwart und ich gebe ihm ein Zeichen, dass ich anlegen will. Ich tanke 40 Liter Diesel und mache wieder los. Ich funke die Marina direkt an, doch die sagt, ich solle die Schleuse auf Kanal 12 ansprechen. Prompt meldet sich der Schleusenwärter wieder und sagt, er habe doch bereits mitgeteilt, dass die Marina voll sei.

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Der Schleusenwärter will einfach auf grün stellen

Ich fahre zur Queen Anne’s Battery Marina, die vor der Schleuse liegt und kann an einem Gästesteg provisorisch festmachen. Bei der Rezeption fragt mich eine französische Mitarbeiterin, ob ich französisch mir ihr sprechen kann. Das ist mir ja noch nie passiert, französisch kann ich zwar etwas verstehen aber mit dem Sprechen sieht es im Moment schlecht aus, ich bin auf englisch fixiert. Deutsch biete ich als Alternative an, doch da lehnt sie ab, also bleiben wir bei Englisch. Ich habe einfach so am Steg festgemacht, ohne mich anzumelden. Oh, das geht nicht, sagt sie. Wir sind wegen des Feuerwerks ausgebucht. Für eine Nacht nur, frage ich. Moment, sie telefoniert und ein Mann kommt in Arbeitsklamotten und Schutzhelm, sieht aus wie ein Bauarbeiter. Der scheint der Chef hier zu sein. Der kramt in den Unterlagen und sagt, D6, eine Nacht und rennt wieder aus dem Büro. Sie findet mich gleich im Computer und ich bekomme eine zweite Nacht in mein virtuelles Rabattheft eingetragen (die siebte ist frei). Es ist auch eine MDL Marina, wie in Brixham. Doch hier geht es deutlich handfester zu.

Ich finde den Platz auf Anhieb und muß etwas manövrieren, um anlegen zu können, bei etwas Wind und engen Verhältnisse. Die Stegnachbarn stehen schon hilfsbereit am Steg. Einer hatte sogar noch schnell einen Fender ausgebracht, als er sah, dass ein Solo-Segler anlegen will. Doch alle Aufregung ist vergebens, der müde Segler bekommt ein ‚well done‘ von allen Seiten.

In dieser Marina sind viele Servicebetriebe und Bootsagenturen angesiedelt. Auf dem Platz vor dem Marinagebäude stehen viele Yachten zum Verkauf an Land. Die schaue ich genauer, um vielleicht schnell mein Boot in ein größeres umzutauschen. Doch es ist nichts dabei, was mir gefällt. Ich gehe weiter durch ein Wohngebiet, um ein Aquarium herum und einem Teil des Sutton Harbours. In der Sutton Harbour Marina sind viele Plätze frei, da muß es wohl viele Reservierungen geben, sonst hätten sie mich reingelassen.

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Boote zum Verkauf

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Weiter Weg in die Stadt

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Traditionssegler im Sutton Harbour

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Stadteil Barbican

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und nochmal

Sonntag

Am Morgen schreibe an meinem Reisebericht weiter. Ich muß heute bis um 12 Uhr den Steg verlassen und ich wäre gerne noch geblieben. Die Stegnachbarn sind sehr nett. Kaum habe ich die Maschine gestartet, da steht der ältere Mann auch schon am Steg und bietet seine Hilfe an. Wir unterhalten uns noch eine Weile über das Wohin, Woher und wo zu Hause. Er ist mit seinem Boot nicht mehr so oft unterwegs, es liegt meistens im Hafen. Aber auch Fenris neigt dazu Grünzeug anzusetzten. Direkt unter der Wasseroberfläche sind am Rumpf flauschige Gräser zu sehen, hin und wieder von Fischen abgefressen werden. Heute findet also das Feuerwerk statt, an zwei Tagen, wie mir der Nachbar sagt, morgen Abend also auch. Ich möchte noch nicht weiterfahren und werde mir einen Ankerplatz suchen und heute Abend das legendäre Feuerwerk anschauen.

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Stegnachbarn

Ich fahre raus und gehe über die Bucht. Vor der verlassenen Festungsinsel Drake’s Island ankert schon eine alte Segelyacht aus Falmouth. Fenris läßt in der Nähe ebenfalls den Anker fallen. Schön ist es hier, durch den Landschutz der Insel ist kaum Welle am Boot. Doch bald merke ich wie sich der Abstand zum anderen Boot immer mehr verringert. Der Anker hält nicht. Als ich ihn hochhole ist der voller Seegras. An einer anderen Stelle geht es besser, vor allem habe ich neben der 10 Meter Kette nun auch deutlich mehr Leine gesteckt.

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Ankern vor Drake’s Island

Den Tag über kann ich am Reisebericht schreiben und lesen. Es ist ruhig. Hin und wieder passiert etwas. Kaum hörbar, fährt ein Zerstörer begleitet von zwei Wachschiffen vorbei. Es ist der Flugabwehrzerstörer HMS Diamond, sein Heimathafen ist Portsmouth.

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Ein Zerstörer fährt vorbei

Gegen 20 Uhr läuft eine Fähre ein von Brittany Ferrys. Sie läuft im Fahrwasser in der Nähe vom Ankerplatz vorbei, laut und deutlich sind ihre Schraubengeräusche im Boot zu hören. Ich werde an meine vielen Nächte in Travemünde erinnert, wo im engen Fahrwasser ständig große Fähren verkehren. Es kommen immer mehr Sportboote und gehen vor Anker. Von einer alten Motoryacht springt man sogar johlend in das recht kalte und recht schmutzige Wasser.

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Fähre

Um 21.30 Uhr beginnt das Feuerwerk. Es wird eine Aufführung in drei Akten. Die Raketen starten zunächst einzeln und werden mit der Zeit immer zahlreicher. Der dumpfe Knall der Böller hallt an den Felswänden der großen Bucht in zeitlicher Verzögerung mehrfach wider. Der erste Akt endet mit einer wilden Knallerei. Eine Choreografie kann ich in der Abfolge nicht erkennen. Einen Moment ist Stille, dann ertönt von den umliegenden Yachten Handklatschen, mundgeplasene Nebelhörner drängen sich in der Vordergrund und eine klägliche alterschwache Hupe von dem Motorboot nebenan versucht ihr Manko durch eine Melody auszugleichen. Gelächter ist der Lohn dieser Bemühungen. Hmm, das war alles, denke ich. Warum bleiben die alle, die Bucht ist voll von Boote. Es müssen hunderte sein. Die meisten liegen am Ankerplatz auf der anderen Seite der Bucht, direkt vor der inneren Hafenmole, wo die Feuerwerker tagsüber ihre Technik aufgebaut haben. Der zweite Akt beginnt 15 Minuten später. Er unterscheidet sich nicht wesentlich vom ersten, nur das sie nun mehrmals Heuler einsetzen, die den Raketen einen etwas mystischen Beiton geben. Am Ende sind dann wieder der Applaus und die traurige Hupe zu hören. Der dritte Akt hat nach der Pause nichts neues mehr zu bieten, er scheint alles noch einmal verdichtet darstellen zu wollen. Später erfahre ich, dass drei Profifeuerwerker gegeneinander angetreten sind und am nächsten Abend noch einmal drei Kandidaten in einem Wettbewerb ihre Kunst zeigen.

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Feuerwerk

Interessant wird es dann nach dem Feuerwerk. Aus den unzähligen Ankerlichtern werden nun weiße, grüne und rote Positionslichter, Motorengeräusche ertönen vielfach in der Bucht und bald setzen sich die ersten Motorboote in Bewegung und rasen durch die Bucht. Diese Masse an Fahrzeugen habe ich so noch nicht gesehen. Sämtliche Marinas werden nun angesteuert viele fahren auch an Drake’s Island vorbei, den Fluß hinauf. Auch die Boote vor Drake’s Island, wo Fenris vor Anker bleibt, brechen auf. In der Dunkelheit hören ich das Klappern von Ankerketten und die Motoren. Es müssen hier inzwischen um die 40 Yachten liegen, die bis auf 5 alle wieder fortfahren. Am Ufer von Drake’s Island sehe ich zahlreiche Lichter, die hin und herpendeln. Es sind Paddler mit Kopflampen, die sich auf die Rückfahrt machen, ich höre französische Stimmen.

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Saint Mary’s (Scilly Islands)

Donnerstag, 2. August – von Falmouth nach St. Mary’s (Scilly Isles), 77 sm

Ich bringe Brigitte zum Bahnhof an den Docks. Der Zug kommt bald und ich bin wieder solo unterwegs und bereite Fenris zum Auslaufen vor.

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Abschied am Bahnhof

12 Uhr. Ich lege ab und setze noch im Vorhafen die Segel. Mit 5-6 Knoten rauscht Fenris an den Docks vorbei und kleine Fährschiffe komme entgegen. Ein Gruppe Segelboote voraus, denen ich eine Zeit lang folge und dann auf den Backbordbug gehe. Doch bald läßt der Wind nach. Ich gehe wieder zum Motorsailing über.

15.30 Uhr. Der Leuchturm Bumble Head ist querab. Das Kap ist bald umrundet und Fenris geht auf direkten Kurs zur Insel St. Mary’s. Delfine kreuzen vorm Bug ziehen aber weiter. Ein Zweimaster kommt entgegen und ein Fischfang Überwachungsschiff überholt.

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Traditionsschiff

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Fisheries Patrol

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Irgendwo bei Land’s End

19.30 Uhr. Voraus ist ein Verkehrstrennungsgebiet für den Verkehr in den Bristol Channel und die irische See, es sind nur wenige Frachter unterwegs.

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Kleiner Containerfrachter

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Sonnenuntergang

21.30 Uhr. Die Sonne ist untergegangen, doch hinter dem Horizont ist noch ein schwacher Lichtschein. Der reicht aus, um die ersten Erhebungen voraus abzuzeichnen, die Scilly Islands. Achteraus ist noch immer Land’s End zu sehen ist. Das Verkehrstrennungsgebiet ist bereits überquert, als ein Frachter aus nördlicher Richtung kommt.

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Noch ist Licht dem Wolkenband am Horizont

22.15 Uhr. Es ist inzwischen dunkel geworden. Lange Zeit waren von einem weiteren Fahrzeug nur zwei weiße Lichter zu sehen, eines höher als das andere, aber eng zusammenstehend. Doch nun wird auch ein grünes Licht sichtbar und es zeigt an, dass es sich um einen Frachter auf der Schiffahrtsroute auf Südkurs handelt. Es dauert noch zwei Stunden bis Fenris das Ufer der Insel Saint Mary’s erreicht. Fast die ganze Zeit sind zwei übereinander stehende rote Lichter auf der Insel zu sehen. Links daneben, blinken mehrere weiße Lichter, eines stark, die anderen schwach. Im Kartenplotter ist die elektronische Seekarte klar erkennbar, der Route geplant und auch Fenris aktuelle Position, Fahrtrichtung und Geschwindigkeit wird ständig aktualisiert, dennoch versuche ich die Wirklichkeit mit den elektronischen Daten in Einklang zu bringen. Die übereinanderstehenden roten Lichter haben also für die Navigation keine Bedeutung.

23.15 Uhr. Noch eine Stunde Fahrzeit und der Horizont voraus ist schwarz, kein Lichtschein mehr, nur graue schwarze Wolken auf die das Boot zusteuert. Seit längerer Zeit platscht es in der Nähe des Boots und ich kann Atmungsgeräusche hören. Mit der Taschenlampe kann ich Delfine erkennen, die neben dem Boot schwimmen. Ich stoppe das Boot, doch die Delfine lassen sich nicht mehr blicken. Bevor ich bei völliger Dunkelheit auf eine felsige Küste zufahre, versuche ich beizuliegen, um das Tageslicht abzuwarten. Doch mangels Wind rollt das Boot in der Atlantikdünung sehr stark und der Strom treibt das Boot mit knapp 1 Knoten wieder in Richtung Verkehstrennungsgebiet. Ich hole das Großsegeln ein und fahre weiter auf die Küste der Insel zu. Die zwei übereinanderstehenden rote Lichter wandern nur sehr langsam nach Steuerbord aus. Doch ihr Lichtschein erhellt die Wasseroberfläche und ich könnte wieder einige Meter vorm Bug Hindernisse erkennen. Die weißen Lichter werden nun klarer und stärker. Das starke weiße Licht ist ein Leuchtfeuer auf einem Felsen, hinter dem die Bucht liegt, wo ich ankern möchte. Die Bucht ist einfach erreichbar, ohne tief zwischen die Inseln zu hineinzufahren. Die schwach blinkenden weißen Lichter sind zwei Untiefentonnen, die erste muß ich an Backbord passieren. Doch es dauert noch lange, bis ich die Brandung an den Felsen der Küste hören kann und die beleuchteten Seezeichen klar erkennbar werdem.

24 Uhr. Doch plötzlich ist das weiße Leuchtfeuer nach achtern ausgewandert und die erste Untiefentonne ist an Backbord. An Steuerbord ist nun auch die Bucht zu sehen und ich kann Masten mit Ankerlichtern erkennen. Ich bin am Ziel, nun muß ich Fenris nur noch vorsichtig in die Bucht hinein navigieren. Ich fahre langsam auf die Ankerlichter zu, achte auf Wassertiefe und Plotter, an Steuerbord sind plötzlich laute Brandungsgeräusche in der Nähe, Felsen ragen aus dem Wasser. Ich sehe zwei Segelyachten und eine große Motoryacht im Schein der einzelnen Lichter an Land. Hinter den Booten fällt der Anker in großem Abstand. Bin gespannt wie es hier bei Tageslicht aussieht.

Freitag

Als ich am nächsten Morgen einen Rundumblick mache, sieht es doch ganz anders aus, als ich mir es in der Nacht vorgestellt hatte. Eine felsige Bucht mit einem Sandstrand und einer Schutzmauer davor und danach die ersten Häuser. Fenris liegt doch recht weit abseits, fast am Eingang der Bucht. Es dauert nicht lange und auf der großen Motoryacht, holt man den Anker hoch und fährt weg. Im Laufe des Vormittags kommen einige Yachten in die Bucht und fahren dicht an den Strand heran, die Besatzungen gehen mit ihren Dingis an Land und kommen mit vollen Einkaufstaschen zurück. Bevor die Ebbe einsetzt sind sie schon wieder fort und anker vor irgendeiner der vielen Inseln.

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Am nächsten Morgen

Bald ist es auch für mich an der Zeit, das Schlauchboot klarzumachen. Bisher habe ich es nicht gebraucht, doch hier gibt es keine andere Möglichkeit, an Land zu kommen. Das Cockpit von Fenris ist so lang, dass ich das 2,40 Meter lange Schlauchboot auf der Sitzbank aufpumpen kann. Ich habe den Rat von Sailing Rainer befolgt und mich für ein neues Roll-Up Boot von Bombard entschieden. Es hat sehr geringe Packmaße und ist zudem recht leicht. Als Sitz verwende ich einen Fender, den ich zwischen die Schläuche klemmen kann. Mit meinem alten Schlauchboot bin ich gleich bei der ersten Probefahrt gekentert. Dieses hier liegt stabil im Wasser und hat überzeugende Riemen.

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Landgang mit Dingi

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Fenris

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und nochmal

Die kleine Bucht Porth Cressa erweist sich als ideal. Letztes Jahr soll es hier noch ein kostenpflichtiges Bojenfeld gegeben haben. Doch dieses Jahr ist es verschwunden. Vom Strand aus ist es nicht weit zu einem Coop Supermarkt und anderen kleineren Geschäften. Auch der Fährhafen ist nicht weit, denn dort kann man die Sanitäranlagen nutzen.

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Ortsteil nahe der Bucht Porth Cressa

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Am Hafen von St. Mary’s

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mit Fähranleger und Moorings

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In der Nähe des Fährhafens

Stimmen sind in der Nähe des Boots zu hören. Ein Mann und zwei Jungen schwimmen mit Taucherbrille, Schnorchel und Flossen am Boot vorbei. Der kleinere Junge sitzt auf dem Rücken des Manns, hat keinen Schnorchel aber eine Taucherbrille. Sie schauen sich beim Schwimmen den Grund der Bucht an. Der Vater gibt Tipps und die Jungs probieren sie gleich umzusetzen. Der ältere Junge ruft begeistert, dass er den Anker von Fenris entdeckt hat.

Samstag

Ich hole den Anker auf und fahre Fenris so dicht wie möglich an den Strand. Knapp zwei Meter Wassertiefe bleiben hier bei Niedrigwasser stehen. Nun ist nicht mehr so weit zu paddeln, um an Land zu kommen. Gerade rechtzeitig bin ich am neuen Ankerplatz, als die ersten Yachten aus Frankreich ankommen. Einige versuchen auch in der Umgebung von Fenris zu ankern, doch der moderate Tiefgang von 1,4 Meter ist mein Vorteil. Die anderen ziehen in der Regel wieder ab.

Es kommen am Nachmittag viele weitere Yachten in die Bucht. Die meisten haben eine französische Flagge am Heck. Und der Trimaran Dragonfly aus Falmouth kommt an, sie ankern direkt vor Fenris. Der Mann macht sofort sein rotes Bombard Dingi klar und rudert zu mir rüber. Sagt, dass er mit seinem Boot direkt über Fenris‘ Anker liegt. Falls ich weg wollte, sollte ich ihm Bescheid geben. Da erkennt er mich wieder. Wir unterhalten uns eine ganze Weile. Ich erfahre, dass er früher auch mal Pilot war und hier in St. Mary’s geflogen ist. Heute ist recht starker Flugbetrieb, die kleinen Propellermaschinen sind ständig am Landen und Starten. Und ich erfahre einiges über die Schwierigkeiten beim Fliegen bei Winden und schlechter Sicht.

Ich nutze die kostenlose Liegezeit, um dem Dieselmotor eine Wartung zu gönnen. Lasse den Motor warmlaufen und lade die Batterien dabei wieder etwas auf. Pumpe das alte Öl ab, tausche den Ölfilter aus und fülle neues Öl ein. Routinetätigkeit, die schnell erledigt ist. An Bord wird sauber gemacht.

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Die Bucht füllt sich

Sonntag

Am Morgen mache ich wieder einen Landgang, um einzukaufen. Im Hafen sehe ich eine Tafel mit der Ehrung einer außerordentlichen Leistung eines amerikanischen Athleten. In 38 Tagen und 6 Stunden ist er von Kanada nach St. Mary’s gesegelt. Ich höre später im Radio ein Interview mit ihm. Er ist angenehm zurückhaltend und erzählt, dass er eigentlich mit 60 Tagen Fahrzeit und schlechterem Wetter gerechnet hat. Doch er hatte Glück mit dem Wind und dem beständigem Wetter in diesem außergewöhnlich trockenen Sommer.

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Ruderer aus Kanada rübergekommen

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bekommt Aufmerksamkkeit

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und sein Boot

Auf dem Rückweg vom Hafen gehe ich in ein Pub. Der Wirt ist etwas gelangweilt, hat er doch mit mir nur noch einen weiteren Gast. Doch bald kommen drei Typen rein, die sich Cider in Flaschen bestellen. Der Wirt ist gleich voll dabei und will wissen was sie gestern so gemacht haben. Sie erzählen vom Samstag, wo einer ihrer Bekannten so betrunken war, das der von der Hafenmole gesprungen ist. Einer der Männer hat ein gewisses Talent die Geschichte lebensnah und spannend auszuschmücken.

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Im Pub

Um die Mittagszeit hole ich den Anker hoch und fahre um die Insel St. Mary’s herum und schaue mir den Hafen von der Seeseite aus an. Zwischen den Inseln im tiefen Wasser liegt die Dreimastbark Seacloud II, die einer Reederei aus Hamburg gehört. Das Luxuskreuzfahrtschiff (in Dienst seit 2001) ist im Mittelmeer und in der Karibik unterwegs und wird von Hand gesegelt, wie es auch Segelschulschiffen üblich ist.

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Hafen von St. Mary’s

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und nochmal

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Seacloud II

Fenris macht eine Runde um die große Bark herum und dreht dann nach Süden ab, geht um eine kleine Insel herum und ankert auf der Südseite der Insel Bryher.

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Blick zurück auf St. Mary’s

Ich mache das Schlauchboot klar und unternehme eine längere Fahrt zur Insel Tresco. Vor Bryher liegen einige Boote im flachen Wasser und vor dem Strand. Standup-Paddler versuchen eine Wettfahrt mit dem einsamen Schlauchbootpaddler. Die Fahrt zieht sich, eine kleine Insel groß genug für eine Handvoll Möwen ist bereits achteraus. Und hier liegen einige Yachten, zwischen Bryher und Tresco vor Anker. Der kleine Hafen von Tresco hat eine kleine Mole, an der flachgehende Boote kurz anlegen können, doch die Liegeplätze sind an Moorings.

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Typische Fischerboote der Gegend

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Hafen von Tresco

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Blick auf Bryher

Endlich bin ich am Strand und trage mein Dingi auf der Schulter den Strand hoch, damit es nicht vom Hochwasser weggespült wird. Oben ist eine Straße mit Häusern, irgendwo sind Stimmen zu hören. Ich nehme den erstbesten Weg und komme an einem Mann vorbei, der im Gras auf einem Hügel sitzt mit Pint of bear und eine Zigarette. Doch der Weg ist eine Sackgasse. Der Mann sagt, wenn ich das Pub suche, dann müste ich den nächsten Weg reingehen. Ich gehe zum Mann hinauf, eine Katze liegt neben ihm, die sich unermüdlich das Fell ableckt. Sie sei zwanzig Jahre alt, sagt er mir. Sie habe schon bei vielen Leuten auf der Insel gelebt, nun wäre er dran. Früher war er nicht oft zu Hause, da er zur See gefahren ist, doch nun ist er dauerhaft auf der Insel. Eines Tages sei die Katze vor der Tür gewesen und hätte drei Tage miauend um Einlass gebeten. Tresco hat 160 Einwohner, einen habe ich nun kennengelernt. Im Pub herrscht ziemlicher Trubel. Ich werde am Tresen für einen Fransosen gehalten, da die Gäste zumeist aus Frankreich kommen. Auf den Tischen stehen Weißweinflaschen in Kühlkübeln, mehrere Gänge werden serviert. Das die alle Segler sind, kann ich mir nicht vorstellen.

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Haus am Hafen

Es dämmert bereits, als ich wieder in mein Schlauchboot steige und die Rückfahrt antrete. Ich nehme diesmal den direkten Weg zu meinem schwimmenden Zuhause. Nach einer Stunde komme ich bei Dunkelheit an. Kurze Zeit später donnert ein Fischerboot vorbei, der Fischer ruft mir etwas zu, was ich nicht verstehe. Doch ich hole den Anker hoch und fahre Fenris rüber vor das Ufer der unbewohnten Insel, wo auch schon wieder der Trimaran des segelden Piloten vor Anker iegt.

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Approaching Fenris

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und Blick auf die kleine unbewohnte Insel

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