Reiseberichte

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Hooksiel

Samstag, 2. September – von Borkum nach Hooksiel, 78 sm

Die letzte Etappe auf diesem Törn steht an. Der Wetterbericht meldet Nord bis Nordwest 3-4, zeitweise schwachwindig, Schauerböen, strichweise Gewitter. Also „normales“ Wetter in diesem Sommer, Hauptsache kein Sturm. Ich mache die Leinen los und lege ab. An den Stegen ist es in der Nacht voll geworden. Immer wieder waren Schraubengeräusche zu hören und die Segelyachten legten zum Teil im Päckchen an. Aber am kleinsten Boot (Fenris) kam niemand längsseits. Doch mit dem Hochwasser in den frühen Morgenstunden sind viele Boote wieder ausgelaufen und die Päckchen haben sich wieder aufgelöst.

9 Uhr. Mit Maschine fahre ich aus dem Bundeshafen und an dem Yachtenhafen „Port Henry“ vorbei, dessen Molen deutlich sichtbar aus Bauschutt bestehen. Auch die Stege sind improvisiert, mit alten Fässern als Schwimmkörper, Rahmen aus Baustahl und Bohlen als Beplankung. Auf halben Weg zum Seezeichen Fischerbalje kommen zwei Fähren entgegen. Die Kommandant der ersten Fähre schaut interessiert herunter und erwiedert meinem Gruß mit offensichtlicher Freude.

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Abschied vom Bundeshafen

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Einfahrt zum Port Henry

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Borkum-Fähre

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Leitfeuer Fischer-Balje am gleichnamigen Damm und Fahrwasser

10 Uhr. Nach Einfahrt in die Westerems, kann ich Segel setzen. Aber die Maschine läuft aufgrund schwachen Winds weiterhin mit, um die Geschwindigkeit von 5 Knoten zu halten. Am Strand höre ich deutlich Ansagen über Lautsprecher. Es findet der Kinderlauf statt. Lenina wird auch mitmachen, sie hatte gestern ihr T-Shirt mit der Aufschrift „Borkumer Meilenlauf 2017“ bekommen. Ich fahre so nahe wie möglich vor den Nordstrand doch es wird schnell flach und bei der Sandbank muß ich abdrehen. Die Strandpromenade ist zu weit entfernt, ich kann nicht viel erkennen. Auch die Seehunde auf der Sandbank kann ich nur als braune Punkte erkennen.

14 Uhr. Das Umfahren des Borkum Riffs zieht sich lange hin. Aber dann kann ich endlich nach Osten segeln. Der Motor muß weiterhin unterstützen, der Wind ist auf Nordwest 1 zurückgegangen. 4 Knoten gegen den Strom. Eine Segelyacht (Alubat Ovni) kommt entgegen. Ich muß zweimal hinschauen und hole sicherheitshalber noch das Fernglas heraus. Tatsächlich, ein Boot mit italienischer Flagge! Sehe ich zum ersten Mal in unseren Gewässern. Der Skipper ist auch interessiert und schaut mehrmals zurück. Vermutlich kennt er den Bootstyp von Fenris (Comet 910). Schließlich finden in Italien noch heute jedes Jahr Regatten mit diesem Typ statt.

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Seekarte

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Die Heimat ist nah

15 Uhr. Die Tide kentert, bald unterstützt mich der Strom Richtung Osten. Wind hat auf Nord 2-3 gedreht. Juist an Steuerbord.

18 Uhr. Wind Nord 3. 6,4 Knoten. Baltrum querab.

20 Uhr. Wangerooge in Sicht

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Sonneruntergang und Schauerwolken achteraus

21 Uhr. Es ist dunkel geworden. Die Vielzahl der Leuchtfeuer in diesem Seegebiet überrascht mich immer wieder.

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Vielzahl an Lichter bei Jade- und Weser-Fahrwasser

23 Uhr. Erreiche das Jade Fahrwasser früher als angenommen. Doch plötzlich ist Flaute. Die nun nutzlosen Segel hole ich ein. Die See wird nach und nach glatt. Keine Schiffe im Jade Fahrwasser.

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Fahrtroute

Sonntag

1 Uhr. Ich erreiche den Hooksieler Vorhafen nahe Niedrigwasser. Ich weiß, dass ich hier mit dem Tiefgang von 1,40 Meter nur knapp in die Hafeneinfahrt komme und habe genau das Echolot im Blick. Aber alles geht glatt. Im Vorhafen such ich mir wieder ein Schiff zum Festmachen. Meine Wahl fällt auf ein kleines blaues Peilschiff. Nicht weit entfernt spielt Techno Musik. Schöne Ankunft. Noch ein Bier und dann in die Koje.

7 Uhr. Wecken, frühstücken und Schleuse um 8 Uhr. Alles klappt wie vorgesehen. Beim Schleusenwärter kaufe ich eine Zehnerkarte für die Schleusungen für 55 Euro. Damit kann ich fünf Mal rein und raus fahren. Eine Jahreskarte wird an Dauerlieger für 166 Euro abgegeben.

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Am nächsten Morgen im Hooksieler Vorhafen

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Kutter und dahinter das kleine Peilboot „Harle Priel“

Im Hooksmeer ist bis auf die gerade ausgeschleusten Boote kaum ein Boot unterwegs. An der Insel liegen drei Segler vor Anker. Es geht an verschiedenen Yachthäfen vorbei. Vor dem alten Hafen wird das Hooksmeer sehr schmal und ist von hohen Deichen umgeben. Schafe liegen träge unter einem Baum.

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Hooksieler Binnentief, auch Hooksmeer genannt

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Es geht an Deichen mit Schafen entlang

Ich mache im alten Hafen fest. Nach 11 Wochen ist mein Einhand-Törn zum Ärmelkanal (1850 sm) nun vorbei. Der Törn begann in Lübeck und endet in Hooksiel, wo ich ins Winterlager gehe. Brigitte kommt zum Boot und wir feiern unser Wiedersehen erstmal bei einem langen Frühstück in der Fußgängerzone.

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Fußgängerzone Hooksiel

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Wiedersehen mit Brigitte

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Borkum

Donnerstag, 31. August – von Vlieland nach Borkum, 78 sm

Endlich hat der Dauerregen nachgelassen. Obwohl der Himmel an diesem Morgen noch grau ist und Schauerwolken durchziehen, soll sich laut Wetterbericht ein schöner Tag entwickeln.

7.30 Uhr. Ich verlasse den Hafen von Vlieland und fahre das Fahrwasser entlang um die Insel und durch die Waddenzee. Es herrscht noch eine aufgewühlte See von der windreichen Nacht. Selbst ein Kutter kämpft sich durch die Wellenberge. Ich fahre mit reduzierter Geschwindigkeit, die das Boot nicht mit dem Unterwasserschiff in den nächsten Wellenberg krachen läßt. Eine belgische Yacht zieht schnell vorbei, das Krachen unter dem Rumpf ist deutlich hörbar. Bald biegen sie nach Westen ab. Ich folge dem Kurs des Kutters in einem großen Bogen um das Flach zwischen Vlieland und Terschelling nach Osten.

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Ausfahrt

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Hafeneinfahrt

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Schauerwolken im Morgengrauen

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Fischkutter in starker See

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Begegnung mit belgische Yacht

9 Uhr. Die Schauerwolken sind durchgezogen, aber der Himmel ist noch bedeckt. Setze Groß und Genua, Motor aus und mit 3 Knoten ostwärts. Entdecke wieder Regenwasser (3 Liter) in der Backskiste, das ich entferne.

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Backskiste entwässern

10 Uhr. Kaum noch Wind. Segel eingeholen und mitz Motor weiter. Immer noch elender Seegang, der das Boot zum Rollen bringt.

15 Uhr. Es klart endlich auf und die Sonne kommt durch. Zwei Fischkutter voraus, die ich mühevoll umfahren muß, da sie immer hin- und her fahren. Etwas Wind kommt auch von achtern, kann das Vorsegel setzen und mache etwas mehr Geschwindigkeit.

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Mit Vorsegel ostwärts

17 Uhr. Die Windkraftanlagen vom Borkum Riffgat erscheinen am Horizont. Bisher habe nur eine ostwärts fahrende Segelyacht gesehen, die inzwischen vorbeigezogen ist.

19 Uhr. Erreiche die Ansteuerungstonne H1 des Fahrwasser Hubertgat, das später in das Fahrwasser Westerems und an Borkum vorbei führt. Aber das Fahrwasser zieht sich.

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Tonne H1 des Hubertgats

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Achteraus Schauerwolken und ein Verfolger

22 Uhr. Endlich bin ich kurz vor der Westerems. Doch plötzlich blickt das Echolot und dann ist nur noch ein halber Meter Wasser unter dem Kiel. Viel sehen kann ich nicht mehr. Der Mond scheint zwar aber das Wasser ist schwarz. Ich drehe nach Nord ab und langsam steigt die Wassertiefe wieder an. Mein Verdacht ist aber, dass hier Sandpartikel im aufgewühlten Strom der Westerems sind und das Echolot behindert wird. Ich fahre einen großen Bogen und den Bereich. Der Segler hinter uns, der seit Stunden nicht aufgeholt hat, zieht auf geraden Kurs vorbei.

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Lichter von Borkum voraus

23 Uhr. Die Fahrt auf der Westerems an Borkum vorbei zur Fischerbalje zieht sich auch. Gegenstrom. Das seltsame Seezeichen Fischerbalje, dass auf einem Dreibein steht, ragt nur knapp aus dem Wasser und ist bei der Dunkelheit nur schemenhaft erkennbar. Bis zum Hafen geht es an einem geraden betonnten Fahrwasser entlang, aber nicht alle Tonnen sind befeuert. Auf halber Strecke befindet sich zudem eine Flachstelle, nur spät löst sich die rote Tonne aus der schwarzen Wand der Dunkelheit voraus.

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Letzte Meile zum Hafen

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Borkum

0.30 Uhr. Doch dann erscheinen die goßen Betonblöcke mit gelben Lichtern, die den Hafenbereich und deren Zufahrt kenntlich machen. Das Hafenbecken ist riesig und hat sieben schwere Schwimmstege, die eher für große Schiffe gebaut wurden. Zuvor ist schon die Segelyacht reingefahren, die mich überholt hatte. Sie haben längsseits an einem Steg festgemacht, der ein Schild mit der Aufschrift „Windpark Port Borkum“ am Kopf hat. Mir ist nicht klar, ob man hier festmachen darf, tue es aber trotzdem.

Freitag

Die Nacht im Bundeshafen war ruhig, niemand hat mich geweckt und verscheucht. Ich gehe auf die Suche nach dem Hafenmeister und finde ihn schnell einem ehemaligen Gebäude der Marine. Hier erfahre ich, dass der Windpark Port für Sportboote den Steg V (Ostseite) und den Steg VI (Westseite) bereitstellt. Es gibt zwei Container mit Toiletten und Duschen, da in dem eigentlichen Waschhaus die Heizung defekt ist.

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Anleger VI (Westseite)

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Anleger V (Ostseite, noch ohne Sportboote)

Ich mache mich auf den Weg zum „Port Henry“, einem Yachthafen unweit des Bundeshafens, in dem Fenris nun liegt. Port Henry ist ein privater Yachthafen, der regelmäßig versandet und für Segelyachten mit viel Tiefgang nur um Hochwasser angelaufen werden kann. Nur im Frühjahr wird die Fahrrinne in den Hafen auf 2 Meter Wassertiefe ausgeschleppt, wie man mir auf Nachfrage im Hafenbüro versichert. Der Hafen ist ansonsten nicht schlecht. Viele Holländer fühlen sich mit ihren Plattbodenschiffen und Motoryachten hier wohl. Auch ein paar Segelyachten finde ich vor. In dem Restaurant bekomme ich ein deftige Frühstück serviert.

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Morbider Charme im Port Henry

Am Nachmittag fahre ich mit dem Bus in die Stadt. Am Busbahnhof warten schon Malin, Liam und Lenina auf mich. Malin und Liam sind die Kinder meines Bruders Horst. Sie zeigen mir die Veränderungen am Strand seit meinem letzen Besuch. Spät abends fahre ich mit dem letzten Bus wieder zum Hafen. Der Bus fährt zunächst zum Port Henry, wo die einige Holländer aussteigen. Dann geht es am Bundeshafen vorbei zum Fähranleger.

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Malin, Liam und Lenina

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Strand

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Vlieland

Dienstag, 29. August – von Texel nach Vlieland, 31 sm

Heute geht es durch die Waddenzee. Ich hatte überlegt außen herum zu fahren, aber die Strecke innnen kann bei gutem Timing kürzer und schneller sein. Die 30 Seemeilen können bei 5 Knoten in 6 Stunden zurückgelegt werden. Die erste Hälfte der Strecke bis zum Kenterpunkt der Tide bei der Tonne SO41 wird der Flutstrom unterstützen, ab dann ist eine Stunde Stillwasser und dann gibt es Unterstützung durch den Ebbstrom. So zumindest ist der Plan.

10 Uhr. Laufe aus und kann nach 20 Minuten die Segel setzen (4,5 Knoten). Es weht ein Südwest 3 und der Himmel ist wolkenlos. Es ist diesig. Trotz leichtem Wind, der achterlich kommt, macht das Boot gute Fahrt wegen des kräftig mitlaufenden Stroms.

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Abschied vom Gästehafen

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und vom Fischereihafen

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Hafeneinfahrt

Vor der Hafeneinfahrt ist ein Tranditionsschiff beim Segelbergen. Es ist ein typisches Bild. Den Schülern wird gezeigt, wie man das Segeltuch aufnimmt und zusammenbindet. Dann geht es an die Gemeinschaftsarbeit.

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Traditionsschiff mit Schülercrew

11 Uhr. Rasante Fahrt im Flach Scheurrak mit etwas mehr Wind und Strom, 6 Knoten. Das Fahrwasser ist hier breit und gut betonnt.

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Ordentlich Strom im Wattenmeer

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Die größeren Boote in der Umgebung sind schon vorbeigezogen

13 Uhr. Kaum noch Wind. Segel eingeholt und mit Motor weiter. Nur noch wenig Strom. 5-6 Knoten.

14 Uhr. Kein Flutstrom mehr, aber ordentlich Wind. An der flachsten Stellen bei Tonne SO41 bin ich schon längst vorbei. Inzwischen fahre ich mit Vorsegel und Maschine und habe ich das tiefe Fahrwasser nach Harlingen erreicht. Hier ist viel Verkehr. Große Traditionsschiffe und viele Segelyachten sind unterwegs. Drehe bei und setzte auch das Großsegel, Maschine aus und Windpilot aktivieren. Doch Fenris wird von allen Schiffen in der Nähe überholt. Als selbst eine kleine Neptun 22 mit zwei einem Seglerpaar an Bord mühelos vorbeizieht, habe ich den Verdacht mit „angezogenener Handbremse“ zu fahren. Ich kämpfe mit dem Segeltrimm, probiere dies und das. Es wird nicht besser und mir gehen die Ideen aus. Ich gebe den Kampf auf und hole das Großsegel wieder rein, es geht mit Vorsegel und Motor wieder weiter. Die Neptun hole ich nun schnell wieder ein, der Skipper grüßt freudig aufgrund seines Erfolgs unter Segeln.

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Fahrtroute

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Da ziehen sie vorbei

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und der auch

15 Uhr. Endlich macht sich der Ebbstrom bemerkbar. Der Wind kommt inzwischen von vorn. Alle Segler fahren nun mit Groß und Motor.

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Hackige See und gegenan

16 Uhr. Es geht nun direkt auf Vlieland zu. Die Fahrt zieht sich. Der Wind hat Stärke 5 erreicht und die See ist ruppig geworden. Gischt kommt hoch und ich muß mir mein Ölzeug anziehen. Aber die Hafeneinfahrt kommt bald in Sicht. Nach und nach verschwinden dort die Segelyachten voraus. Als ich an der Stelle bin, muß ich das Boot etwas gegen den quer zur Hafeneinfahrt setzenden Strom steuern, um einfahren zu können. Kaum sind die Wellenbrecher erreicht, hört der Strom schlagartig auf.

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Hafeneinfahrt mit viel Strom davor

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Vorhafen mit Traditionsschiffen

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Hafengebäude mit Restaurant, kleinem Lebensmittelmarkt und Burgerbude

Als ich am Liegeplatz schon eine Weile bin, läuft auch die Neptun 22 ein. Auf dem Weg zum Hafenmeister gehe ich bei ihnen vorbei und erkundige mich nach dem Geheimnis ihrer schnellen Segelfahrt. Aber der Skipper wundert sich selbst, dass es heute so schnell ging. Sie sind aus Bremerhaven und haben ihr Boot nach Texel getrailert und wollen nun die Inseln entlang wieder in die Heimat fahren.

Mittwoch

Der Tag fängt mit heftigem Regen an und endet damit. Ein idealer Tag zum faulenzen und Berichte schreiben. Aber selbst der Gang zum Hafenmeister endet mit nassen Klamotten. Einige Segeler laufen im Ölzeug durch die Gegend, sicher eine Lösung aber nicht mein Stil. Irgendwann sitzt ein Mann im Plattbodenschiff nebenan an Deck im Regen und wartet auf den Bootseigner. Sowohl ich als auch der holländische Nachbar auf der anderen Seite bieten vergebens einen trockenen Platz in der Kajüte an.

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Texel

Samstag, 26. August – von Cadzand nach Oudeschild auf Texel, 121 sm

Heute habe ich einen langen Schlag zur holländischen Insel Texel geplant. Es gibt zwar nur Leichten Wind, aber die kommende klare Nacht ist ideal für eine Nachtfahrt.

11 Uhr. Verlasse Cadzand durch die aufgeschütteten Berge von Betonelementen, von denen jetzt nahe Niedrigwasser viele freigelegt sind. Draußen kann ich Segel setzen und lasse aufgrund schwachen Winds die Maschine weiterhin laufen. Einige Meilen voraus findet vor der holländischen Küste eine Regatta statt, die mit bunten Segeln gefahren wird; also mit Spinnaker. Mache 5 Knoten Fahrt.

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Wellenbrecher bei Cadzand

12 Uhr. Habe das Regattafeld umfahren.

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Regatta

14 Uhr. Endlich Kurs Nord. Kann nun Groß und Genua setzen. Unter Segel nur 4 Knoten Fahrt. Fahre weiterhin mit Motor und Segel. Müdigkeit macht sich breit. Da hilft ein Nickerchen auf der Cockpitbank.

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Müde

17 Uhr. Osterschelde an steuerbord. Motor aus, Fahrt unter Segel 5 Knoten.

19 Uhr. Der Europoort bei Rotterdam ist voraus. Der Wind hat leicht gedreht, kann ohne zu kreuzen nicht am Europoort vorbei. Außerdem will ich das Fahrwasser schnell queren, also geht es mit Maschine und Großsegel weiter. 6 Knoten Fahrt.

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Europoort bei Dämmerung

22 Uhr. Europoort achteraus. Motor aus und Segel gesetzt. Voraus ist eine Reede mit vielen Frachtschiffen.

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Schiffe auf Reede

23.30 Uhr. Kaum noch Wind und der Ebbstrom hat eingesetzt. 5 Meilen südlich von Scheveningen, die Lichter des Europoorts haben noch deutliche Strahlkraft, werfe ich den Anker auf 10 Meter Wassertiefe. Lege mich in die Koje, um auf den Flutstrom zu warten.
Eine leichte Dünung bringt das Boot dennoch stark ins Rollen, aber ich schlafe rasch ein.

Sonntag

5 Uhr. Der Wecker mußte nicht klingeln, ich bin von selbst rechtzeitig aufgewacht. Ein Blick nach draußen; kaum Wind, klarer Himmel, die Sterne sind noch sichtbar, wenn auch am Horizont sich der Sonnenaufgang, noch ganz schwach, ankündigt. Es geht mit Großsegel und Motor weiter.

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Mein Kurs führt zwischen den Schiffen auf Reede entlang

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Spezialschiff von vorn

8 Uhr. Nach dem Sonnenaufgang kommt mir die erste Segelyacht seit gestern Nachmittag entgegen.

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Sonnenaufgang mit seltsamer Wolkenformation

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Begegnung auf glatter See

11 Uhr. Allkmar ist an steuerbord. 6 Knoten Maschinenfahrt.

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Flautenfahrt

15.30 Uhr. Endlich etwas Wind, Südwest 3. Es geht in das Schulpengat vor der Südspitze von Texel. Ein starker Strom setzt hier voll gegenan. Mit Genua und Motor geht es mit 2 Knoten über Grund. Eine Stunde später ist der Fährhafen von Texel an backbord.

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In der Waddenzee ist plötzlich viel los

17.30 Uhr. Laufe in den Hafen von Oudeschild auf Texel ein. Eine imposante Fischereiflotte liegt an diesem Sonntagabend noch im Hafen. Im Yachthafen kann ich tanken und finde auch gleich eine guten Liegeplatz nahe dem Hafengebäude.

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Fischereiflotte

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Yachthafen

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Ausblick vom Cockpit

Montag

Im Hafen gibt es einen sehr guten Laden mit Schiffszubehör. Für Sportboote hat der Laden auch ein paar Artikel, das Hauptangebot liegt aber eindeutig bei der Berufsschiffahrt.

Heute mache ich einen Auflug mit dem Fahrrad. Das Rad ist gut, ein Gazelle Hollandrad mit Alurahmen und 7-Gang-Nabenschaltung. Kostet 10 Euro pro Tag. Es geht zunächst den Deich entlang, bergab. Atemberaubende Geschwindigkeit. Dann wieder eine Anhöhe hinauf, um von einem Baustellenschild umgeleitet zu werden, auf eine Straße, wo die Tempo 30 Zone etwas aufhält. Aber hier ist eine umfangreiche Deicherhöhungsmaßnahme im Gange, die die gesamte Insel umfaßt. Man rüstet sich wohl schon auf die Folgen des Klimawandels und den damit einhergehenden höheren Wasserständen. Ich biege links ab, um die gegenüberliegende Küste zu erreichen. Komme an Bauernhöfen mit Kühen und Schafen vorbei. Bald bin ich in einem kleinen Ort und kann mir etwas Wasser kaufen. Es geht weiter. Aber der Radfahrer ist bereits erschöpft, hat alle Energie verbraucht und sein Ziel korrigiert. Nicht mehr die Küste, sondern der Hauptort Den Burg in 6 Kilometern Entfernung ist jetzt das Ziel. Mit etwas Rückenwind kann sich der müde Radfahrer wieder aufrappeln, um nach einer Kurve bei etwas Gegenwind wieder um jeden Meter zu kämpfen. Am Ende ist Den Burg erreicht. Eine kleine Runde zu Fuß und Einkaufen im Supermarkt, um ein paar Lebensmittel zu besorgen und es geht weiter in das 3 Kilometer entfernte Oudeschild, wo der Hafen ist.

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Radtour am Deich

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durch Dörfer

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und zweispurige Radwege

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Oudeschild, hinter dem Deich ist der Hafen

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Deichausbau in Oudeschild

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Hafen Oudeschild

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Cadzand

Freitag, 25. August – von Nieuwpoort nach Cadzand, 34 sm

Kurz vor 11 Uhr lege ich ab und fahre zur Tankstelle. Meine EC-Karte wird diesmal akzeptiert und ich kann 35 Liter tanken. Eine halbe Stunde später habe ich den Seekanal verlassen, kann vor der belgischen Küste das Großsegel setzen und muß weiter mit Motor fahren, zu wenig Wind. So wie gestern, da war ideales Fliegerwetter. Da haben Kunstflieger gezeigt, was sie können: Vor dem Strand von Nieuwpoort gEHT es zunächst in exaktem Formationsflug den Strand entlang, dann eine Wende, ohne das die vier roten Flugzeuge erkennbar die Abstände zueinander ändern. Plötzlich fliegen sie in verschiedene Richtungen auseinander, um dann wieder zusammenzufinden, ihre kräftigen Motoren sind deutlich zu hören. Kraftvolles Röhren und sie gehen in Formation in Steigflug, immer höher und höher, fliegen bald über Kopf und vollenden ein perfektes Looping. Sie fliegen noch weitere Figuren und immer mehr Segler verfolgen die Flugzeuge mit Ferngläsern am Steg.

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Seekanal in Nieuwpoort

13 Uhr. Mit 4,5 Knoten geht es voran, gegen den Strom. Von Nieuwpoort ist schon nicht mehr viel zu sehen. Voraus liegt Oostende als nächstes. Dicht bebauter Strand mit Hotels mit ein paar Lücken unbebauter Natur, so präsentiert sich mir die belgische Küste. Zwischen den Orten von Nieuwpoort bis De Panne führt eine viele befahrene Straße und eine Tram hinter dem Strand entlang. Aber mir gefällt dieser Küstenabschnitt deutlich besser, als der französische bei Dünkirchen mit seinen Industrieanlagen.

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Hafeneinfahrt von Oostende

15 Uhr. Blankenberge an Steuerbord. Sei einer Stunde geht es mit der Flut gut voran, 7 Knoten. Helles Zirpen läßt mich aufhorchen. Schaue um mich herum, aber weit und breit kein Schiff. Der Strand ist einige Seemeilen entfernt. Auch vom Boot kann das Geräusch nicht kommen. Dann entdecke ich eine kleine Drohne, die über dem Heck von Fenris fliegt und eine Kamera auf uns richtet. Mir gefällt das nicht, wenn mich jemand, den ich nicht sehen kann, auf diese Weise beobachtet. Ich mache abweisende Handbewegungen und bald dreht das Teil ab. Ich kann die Drohne noch eine Weile mit dem bloßen Auge verfolgen. Sie fliegt zum Strand. Erstaunlich wie groß doch inzwischen die Reichweite dieser kleinen Flugobjekte sind.

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Fischkutter

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Segler vor Strand

18 Uhr. Keine Lust mehr. Laufe Cadzand an. In keiner meiner Seekarten ist der Yachthafen eingezeichnet. Auch der Nautical Almanac kennt ihn nicht und Navionics ebensowenig. Es ist fast wie eine Expition ins Unbekannte. Vom Hörensagen weiß ich, dass es hier einen Yachthafen geben soll. Und dann sehe ich auch bald eine grüne Tonne, dann eine rote und dann die aufgeschütteten Steinmolen. Langsam taste ich mich heran. Es wird flacher, die See ist unruhig, Brandung steht vor der Hafeneinfahrt. Halte mich mittig im Fahrwasser, es geht um eine Ecke und dann sehe ich die Schwimmstege. Direkt hinter der Einfahrt ist quer davor der Meldesteg. Er steht voll im Schwell und im Wind, einfach mal anlegen ist hier schwer. Es gibt ein Schild mit einem Hinweis auf Kanal 31 und der Telefonnummer des Hafenmeisters. Der Kanal 31 existiert nicht auf meinem Funkgerät. Er ist in Deutschland ein reservierter Kanal und mit Sondergenehmigung freizuschalten. In Holland wird er gern von den Hafenmeistern benutzt. Die Telefonnummer ist vom Boot aus nicht erkennbar, die Zahlen sind zu klein. Man muß schon dicht an den Steg ran. Ich fahre weiter in den Hafen und suche mir einen Platz der günstig im Wind liegt. Und schon kommt der Hafenmeister angeprescht, mit einem Roller. Beschwert sich, dass ich hier nicht festmachen darf. Erkläre ihm die Situation und bekomme einen Platz zwischen zwei Motorbooten. Er hilft immerhin beim Anlegen. Später im Hafenbüro will er 24 Euro Hafengeld und nochmal 10 Euro für die Servicekarte. Ne, darauf kann ich verzichten. Das Geld würde ich nicht zurückbekommen.

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Meldesteiger

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Hafengebäude

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Nochmal Nieuwpoort

Mittwoch, 23. August – von Dunkerque nach Nieuwpoort, 19 sm

Heute geht es nach Nieuwpoort. Keine große Sache, nur knapp 20 sm. Wetterbericht ist soweit okay, anfangs Südost 4 später wechselnde Winde.

11 Uhr. Ich verlasse die Grand Large Marina in Dunkerque und sehe einige Sportboote nach der Hafeneinfahrt treiben. An Deck stehen die Besatzungen mit Ferngläser und beobachten ein Ablegemanöver eines Dreimasters mit holländischer Flagge. Von dem Schiff kann man nur die Masten und die aufgetuchten weißen Segel sehen, vor einer Industriekulisse. Dunkerque scheint für solch schöne Traditionssegler keine besseren Liegeplätze zu haben. Ich halte mich auch noch etwas in der Hafeneinfahrt auf, um das Auslaufen zu beobachten.

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Blick auf den Yachthafen Grand Large

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Dreimaster

12 Uhr. Segel gesetzt und mit 4 Knoten nach Westen. Doch bald wird das Segeln anstrengend. Der Wind ist veränderlich, kommt manchmal etwas böeig aus Süd, um dann wieder auf Südost zurückzudrehen. Ständige Anpassung der Segelstellung ist die Folge. Anstrengend. An Steuerbord fährt eine deutsche Yacht auch mit Einhandsegler.

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Segeln vorm Strand

13 Uhr. An Backbord und voraus ist die lange Sandbank Banc Hill, die die Weiterfahrt nahe des Strands verhindert. Es geht durch ein S-förmiges Fahrwasser mit guter Betonnung. Gerade hier lässt der Wind nach und die Segelyachten um mich herum dümpeln nur noch dahin. Der Abstand zu zwei Anglerbooten, die nahe am Fahrwasser ankern, nimmt schnell ab. Der Strom vertreibt Fenris schnell in ihre Richtung. Ein Angler steht schon in seinem Boot in Habacht-Stellung, doch ich habe inzwischen den Motor angestellt und weiche mit kräftigem Schub aus. Der Angler grinst erfreut, Daumen hoch.

13.30 Uhr. Kaum ist die Sandbank achteraus, gibt es Gegenwind. Segel rein und mit Motor weiter. Ich bin erschöpft von der Schwachwindsegelei und fahre mit Maschine weiter, auch wenn bald wieder die Windrichtung passt.

15 Uhr. Vor der Hafeneinfahrt von Niewupoort ist wieder kräftiger Wind und viel los. Wie üblich, tummeln sich hier dutzende Segelyachten und die Segeljugend übt auch wieder. Die Fischnetze an den kleinen Auslegern am Wellenbrecher werden wieder gut angenommen. Sie kann man mieten. Viele Leute sind unterwegs. Mir gefällt es hier.

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Hafeneinfahrt Nieuwpoort

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Wieder viel los in Nieuwpoort

Ich lege auf Einladung von Monique und André, die ich Boulogne kennengelernt und in Dieppe wiedergetroffen hatte, in dem Club der belgischen Luftwaffe an. Hier geht es locker zu. Stramm stehen muß hier niemand 😉 Die Stege sind neu und die Sanitäranlagen in Bestzustand. Allein die Liegekosten haben britisches Niveau. Ungewöhnlich ist auch, dass sie für Wifi noch Geld (2,80 Euro) verlangen. Monique und Andre sind auf ihrem Boot und laden mich auf ein paar Gläser Ricard ein.

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Fest bei der Air Force

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Monique und André auf ihrer Adventurer

Am Abend gehe ich in die Stadt. Der Carrefour hat schon um 18.30 Uhr geschlossen und sonst finde ich keine Geschäfte mit Lebensmitteln. In einen Istanbul Grill kann ich einen leckeren Kebap Teller bestellen und belgisches Bier namens Duvel trinken. Der Alkoholgehalt ist ungewöhnlich hoch. Wikipedia meint dazu: „Albert Moortgat beschloss 1918 zur Feier des Endes des Ersten Weltkrieges ein Victory Ale (dt.: ‚Bier des Sieges‘) zu brauen. 1923 bezeichnete ein Freund des Braumeisters dieses Bier in Anspielung an den hohen Alkoholgehalt (8,5 %) nen echten Duvel (dt.: ‚ein echter Teufel‘), womit der Name Duvel geboren war.“

Donnerstag

Mit Monique und André fahre ich einkaufen. Der Supermarkt sieht aus wie eine Lagerhalle, ist entsprechend groß. Endlich kann ich den Bordvorrat an Bier (aber kein Duvel) wieder auffüllen und Lebensmittel einkaufen.

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Einkauf mit Monique und André

Am Vormittag wechsele ich den Liegeplatz und fahre zum VVW rüber. Beim Hafenmeister zahle ich glatt 8 Euro weniger, als bei der Air Force. Die Stege sind hier alt, aber sie werden im Winter auch erneuert. Liege nun neben einem kleinen Segelboot mit Heimathafen Le Havre und einer großen Beneteau First 36.7, die mir auch gefallen könnte. Schnelles Boot mit geräumigen Kajütaufbau, allerdings 2,20 Meter Tiefgang. Sie läuft sehr hoch am Wind, wie mir der Eigner stolz berichtet.

Am Nachmittag kommen Marc und Jacques an Bord. Sie habe ich ja hier auch schon bei meinem ersten Besuch in Nieuwpoort getroffen. Sie segeln mit dem Stegnachbarn (First 36.7) und weiteren Booten häufiger mal zusammen nach Frankreich. Jacques hat immer das Gefühl, wenn er sich an Bord von Fenris befindet, er sei auf ihrem Schiff der Nievotus (auch eine Comet 910).

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Marc und Jacques

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Trockenübungsboot Johan

Mit dem Omnia Backaufsatz kann ich auf meinem Spirituskocher ein paar Brötchen aufbacken. Das klapp ganz vorzüglich, wie mit einem richtigen Backofen. Ich habe auch schon Scones gebacken, sind auch schön aufgegangen.

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Bordbäckerei Fenris

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Dunkerque

Dienstag, 22. August – von Dover nach Dunkerque, 44 sm

10 Uhr. Ich breche auf zur Kanalüberquerung nach Frankreich. Der Mann vom Motorboot nebenan wünscht mir noch eine gute Fahrt. Sie haben ihr großes Boot vor einem Jahr in England gekauft. Früher hatten sie auch eine Segelyacht. Na, immerhin gibt es auf dem Motorboot noch ein Stütz- oder Notsegel, zur Erinnerung an alte Zeiten.

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Aufbruch

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Noch ein Blick zurück

Schon nach Verlassen der Granville Marina kommt mir ein Safety Boat entgegen und wendet im Kielwasser, kommt längsseits und eine Frau fordert mit hektisch zum Aufstoppen auf, obwohl ich mit geringer Fahrt meine Leinen und Fender klariere. Den Grund zur Sperrung habe ich schon gesehen und über Funk mitgehört. Ein Kahn mit großen Stahlröhren wird quer über den Old Channel geschleppt, der heute zu befahren ist. Bei meiner Ankunft am Sonntag wurde ich noch durch den New Channel gelotst. Die Bauaktivitäten scheinen jetzt an einem Wendepunkt zu sein, was die Verkehrsführung angeht. Es dauert eine Weile und dann kommt über Funk die Anweisung an das Safety Boat die Fahrt freizugeben. Sie kommen wieder angefahren und diesmal ist die Frau freundlicher und wünscht mir sogar eine gute Fahrt.

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Safety Boat

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Bauaktivitäten

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Was bisher geschah

Im Hafenbüro haben sie erzählt, dass die beiden Becken, in denen die Yachthäfen sind, zusammengelegt werden. Dann entsteht eine völlig neue Marina. Die Bauarbeiten werden sich über die nächsten 4 Jahre hinziehen und immer wieder Änderungen in der Verkehrsführung mit sich bringen. Es gibt kleine Transportboote, die einen Fährdienst für die Arbeiter zwischen den verschiedenen „Baustelleninseln“ und dem Kais bereitstellen. Ich varlasse den Baustellenbereich, funke ich Port Control an und teile mit, dass ich über die Westeinfahrt raus möchte. „You may proceed. Have a good journey.“, teilt mir der freundliche Mann mit. An der Außenmole liegt ein Aida Kreuzfahrtschiff, dass in der Nacht angekommen sein muß. Der Vorhafen ist riesig.

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Blick über den Vorhafen

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Ausfahrt über die westliche Einfahrt

11 Uhr. Draußen ist es diesig und leichte Nebelfelder sind in weiterer Entfernung, durch die die ankommenden Fähren sichbar werden. Aber der Nebel löst sich zum Glück bald auf. Ich setze das Großsegel und lasse die Maschine weiterlaufen. Ich möchte schnell aus dem Einfahrtsbereich kommen. Ich erkenne bald, dass ich aufgrund der Windrichtung besser auf der östlichen Seite der Fährrouten fahren kann. Als keine Fähren auslaufen und ankommen, quere ich die Fahrtroute der Fähren und kreuze bis dicht unter die Kreidefelsen. Das große Motorboot, dass in der Marina am Nachbarsteg lag, fährt dicht vorbei. Der Skipper kommt ein Deck tiefer an die Seite und wünscht mir gute Fahrt. Muß ihn wohl mit meiner Reise beeindruckt haben. Und schon ziehen sie mit schneller Fahrt weiter. Sie wollen direkt nach Nieuwpoort durchfahren. Haben keine Zeit mehr, da der Urlaub bald vorbei ist.

12 Uhr. Ich erreiche den Weststreifen des Verkehrstrennungsgebiets. Zwei Schweinswale schwimmen kurz neben dem Boot. Ein sehr großes Containerschiff fährt nach Westen durch. Es ist noch diesig, die Sicht nur 10 sm. Von der anderen Seite kommen 3 Fähren über das Verkehrstrennungsgebiet. Eine Fähre überholt und fährt nach Frankreich rüber. Viel los hier.

13 Uhr. Ich habe den Streifen nach Westen passiert und auch das freie Stück dazwischen. Nun befinde ich mich auf dem Streifen in östlicher Richtung. Und es kommen drei Frachtschiffe von steuerbord. Noch sind sie weit weg, bis auf eines, dem ich signalisieren will, dass ich ausweiche. Ich ändere den Kurs so, dass mein Boot deutlich hinter das Frachtschiff zuhält. Doch nun erkenne ich einen großen Autotransporter, der sehr schnell fährt. Und dann gibt es noch einen großen Tanler zwischen den beiden anderen. Ich ändere wieder den Kurs, mache es so wie beim Ausweichen zwischen Segelbooten, immer auf das Heck zuhalten, damit es keine Probleme gibt. Aber diese drei Schiffe sind sehr groß und schnell. Sie sind viel weiter weg, als zunächst angenommen und so schnell durchgefahren, dass ich bald wieder einen rechtwinkligen Kurs zum Fahrstreifen anliegen kann.

15 Uhr. Ich habe das Verkehrstrennungsgebiet verlassen und kann endlich auf Kurs Richtung Dunkerque gehen. Inzwischen weht ein Ostwind mit Stärke 4. Die Genua wird ausgerollt und der Motor läuft weiterhin mit. Ich will möglichst weit nach Osten kommen, bevor die Tide kentert. Immer dieses Fahren gegen die Zeit macht keinen Spaß. Immerhin 7,5 Knoten schnell. Calais wäre einfacher gewesen. Aber dort ist man wieder gefangen hinter einem Tor, dass nur drei Stunden um Hochwasser geöffnet ist. Folglich hätte ich dann nicht bei Niedrigwasser losfahren können und nur eine halbe Tide gehabt. Daher habe ich mich für den Tiefwasserhafen Dunkerque entschieden. Gut, eine Alternative wäre noch der Warteplatz an der Boje vor dem Tor der Marina gewesen, aber bei dem Schwell dort? Nun ich sehe vor vier große Schiffe. Zunächst denke ich, sie kommen aus dem Dünkirchen, aber ich sehe keine Bugwellen. Fahrt machen sie auch nicht und nach einiger Zeit habe ich Gewißheit, da ich die Ankerketten ausmachen kann. Sie liegen auf Reede.

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Ankerlieger

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Verbissener Wettlauf mit der Zeit

16 Uhr. Endlich kommt die Küste Frankreichs deutlicher in Sicht. Ich kann die sechs Atommeiler von Gravelines wieder ausmachen. Danach kommt die Industriezone zwischen Westdunkerque und Dunkerque, wo gewaltige Indudtrieanlagen viel Abgas in die Luft blasen. Die belgische Küste, mit vielen Hotels zugebaut, scheint den Menschen dort zu wertvoll zu sein, als sie mit Industrie und Atomkraftwerken zuzubauen. Und heute (28.8.2017) habe ich gelesen, dass eine Gaswolke über den englischen Stränden um Eastbourne erschien, Menschen zur Untersuchung ins Krankenhaus mußten und die Wolke diesmal nicht aus Frankreich herüberkam. Aber woher sie kam, darüber rätselt man zur Zeit.

18 Uhr. Jetzt ist er da, der Gegenstrom, der sich uns entgegenstellt. Mit nur noch 4 Knoten geht unter Segel und Maschine voran. Fenris kämpft sich tapfer gegenan. An der Einfahrt West-Dunkerque bin ich vorbei, nachdem eine Fähre aus England dort eingelaufen ist. Noch 1 Stunde bis zur Marina. An Steuerbord ein Schlot nach dem anderen hinter dem Strand, an dem auch Menschen sind. Als würden die Schlote mir zeigen wollen, was sie können, blasen sie zwischendurch große weiße Wolken in die Luft. Auch offene Flammen, die aus Rohren kommen, bringen stimmungsvolle Abwechselung in die Choreografie. Die Fahrt zieht sich zäh an dieser ungastlichen Gegend entlang.

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Industriestrand

19 Uhr. Endlich kommt die Hafeneinfahrt von Dunkerque in Sicht. Ein großer alter Leuchtturm steht an der Spitze der Mole, scheint irgendwie schief zu stehen. Ich funke Port Control an und bekomme die Erlaubnis einzufahren und den Hinweis dem zuvor eingelaufenen Frachtschiff bis zur Marina zu folgen. An Backbord ist der hölzerne Wellenbrecher zu an einer Stelle eingefallen. Ist das ein erster Hinweis dafür, was mich hier erwartet? Das Frachtschiff biegt irgendwann in eine Schleuse nach rechts ab und dahinter ist links eine große Marina. Ich funke die Marina an und bekomme einen Liegeplatz ganz außen am Steg. Der Hafenmeister spricht ein lustiges Englisch und ist ein ebenso lustiger Geselle. Auf Nachfrage zeigt er mir auf einer Karte, wo der nächste Supermarkt und die nächste Tankstelle ist. Man muß schon den Bus nehmen und zum Strand fahren, zu Fuß ist es zu weit. Dafür was einem hier geboten wird sind die 22 Euro, die er haben will, schon sehr viel. Die interessanteren altstadtnahen Liegeplätze sind nur umständlich durch Brücken zu erreichen. Der Yachtclub soll schöner sein, doch ich fürchtete dort niemanden mehr anzutreffen. Allein das Restaurant oben bei der Marina, wird gut besucht. Ich habe noch Essen von gestern übrig und esse an Bord.

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Hafeneinfahrt

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Yachthafen

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Liegeplatz (am nächsten Morgen)

Abends laufen noch Anglerboote aus, die die Hälfte der Liegeplätze in der Marina beanspruchen. Manche Angler gehen ohne Rücksicht mit schneller Fahrt vorbei und lassen Fenris in den Leinen wild umherspringen. Es trägt nicht dazu bei, meine Meinung über Dunkerque zu ändern: nicht schön hier. Das meinten auch schon Marc und Jacques aus Nieuwpoort. Aber als Zwischenstop geht es. Immerhin hat es einen Tiefwasserhafen, der jederzeit problemlos angelaufen werden kann.

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